Denn der Florian wußte: es war ein Glück für ihn, wenn sich das Ehepaar Sebastian und Genovefa Hagspiel seiner kleinen Künstlertruppe anschloß. Solche Sänger, wie diese beiden, fand der Florian Siegwein so schnell nicht wieder. So sagte er denn, innerlich freudig erregt, dem Wastl zu und gab ihm den Handschlag. Der Handschlag aber bedeutet für den Bauer dieser Gegend sein Ehrenwort und gilt ihm heilig.

Und der Wastl leerte seinen Wein hastig und ging mit seinen ungeschlachten Beinen so schnell als er nur konnte von dem Hause fort. Der Florian stellte sich auf die Veranda seines Hauses und schaute ihm nach, wie er schwerfällig und doch rasch den Berg zum Dörfl hinuntersprang und dann plötzlich unschlüssig stehen blieb und die Richtung gegen das kleine Hochtal zu einschlug.

Er war in diesen Jahren, seit er in der Gungl hauste, ein richtiger Bergbauer geworden, der Wastl. Schon etwas steif in den Gliedern und ungelenkig beim Gehen. Die harte Arbeit bringt es mit sich, daß sie rasch altern, die Bauern. So dachte der Florian Siegwein. Und wünschte in seinem Herzen, daß der Wastl heute doch nicht zu ihm gekommen wäre.

Zehntes Kapitel

Das war ein trauriger Auszug aus der Heimat. Am Vorabend des Rosenkranzfestes war es, das in die zweite Hälfte des Oktobers fällt.

In aller Herrgottsfrühe zogen sie aus. Der Tag begann sich kaum zu lichten, und dicht und schwer hingen noch die weißen Nebel ins Tal herab. Naßkalt und unlustig war der Morgen. Einer jener Herbstmorgen, an dem es noch unentschieden ist, ob er sich zum schönen oder schlechten Tag auswächst.

Weiß glitzerte der Reif, und die langen Fäden des Grases, die von den glatten Felswänden herabfielen, hingen welk und müde und zeugten davon, daß die Natur im Sterben begriffen war.

Die Vef hatte ihr bestes Feiertagsgewand angelegt und trug ihr jüngstes Kind im Arm, während der Älteste in langen und unförmigen Höschen und mit einem Hut am Kopf, der das Gesichtchen fast ganz verdeckte, tapfer neben seiner Mutter einherlief und sich an ihrem hochgesteckten Rocke festhielt.

Voran ging der Wastl und hatte die wenigen Habseligkeiten auf seine Kraxe geladen. Obenauf steckte ein blondes Büblein sein Köpfchen heraus und guckte mit ängstlichen Augen umher, während der Vater den Zweitjüngsten auf dem Arme trug.

Er hatte gleichfalls sein bestes Gewand angelegt, der Wastl, weil es ihn die Vef so hieß. Die Vef hatte in diesen letzten Tagen, die sie noch in der Gungl hausten, mehr denn je das Regiment geführt. Mit dem Wastl war nicht viel anzufangen. Wie einer, der im Traume wandelt, war er gewesen. Hatte geduldig alles getan, was ihm die Vef gebot, ohne Widerspruch und ohne zu murren. Aber sein müdes, trostlos trauriges Gesicht reizte die Vef mehr, als wenn er sich ihr widersetzt hätte ... und mehr denn je schrie sie in dieser Zeit im Hause herum.