»Hast du jetzt alleweil an Grant ...« wollte er ihr Vorwürfe machen, aber der Florl zog ihn am Rockärmel gewaltsam mit sich fort, hinein in die Stube, wo der Kramer Veit bereits im Herrgottswinkel breitspurig Platz genommen hatte.
»Fein habt's es!« lobte der Kramer, streckte die Füße weit von sich und lehnte sich so behaglich an das braune Holzgetäfel, als wäre es eine weichgepolsterte Sofalehne. »Tut das gut!« machte er aufatmend. »I sag's ja! Schian ist's auf der Welt! Aber am allerschönsten ist's döcht bei uns in Tirol herin.«
Die beiden jungen Burschen setzten sich zu ihm, jeder an eine andere Tischecke, und sahen mit leichter Verlegenheit auf ihn. Sie wußten nicht recht, was sie mit dem Fremden reden sollten.
Der gelbe, unförmliche Kachelofen, der gleich neben der Tür in der Ecke stand und einen großen Teil des freien Raumes einnahm, sprühte eine wahre Gluthitze.
Den beiden Burschen wurde es schwül in ihren lichtgrauen Lodenröcken, und sie zogen dieselben aus und warfen sie in kühnem Schwung seitwärts über die Achsel, so daß nur die eine Hälfte der Schulter davon bedeckt wurde, während man auf der andern Seite der Achsel das blühweiße Leinenhemd mit den langen Ärmeln sehen konnte.
Die Stube war ein mäßig großer, niederer und düsterer Raum. Vier winzige Fenster, an zwei Seiten des Eckzimmers verteilt, ließen nur wenig von dem hellen Tageslicht eindringen. Die Fenster waren vergittert und ohne Vorhang, und die Scheiben waren trübe und ungeputzt.
Ein viereckiger, rohgezimmerter Tisch stand in der Stubenecke. Kleine Heiligenbilder in grellbunten Farben zierten die Ecke nebst dem großen, unschönen Kruzifix. Eine Holztaube, das Sinnbild des heiligen Geistes, die einmal weiß gewesen sein mochte, jetzt aber schmutziggrau aussah, hing von der rauchgeschwärzten Stubendecke herab und baumelte an einem dünnen Faden über dem Tisch.
Eine Holzbank lief längs der Wände entlang und endigte dann als Ofenbank. Es gab weder Stuhl noch Hocker in der Stube. Nur zwei Bänke ohne Rückenlehne standen an dem Tisch, und auf ihnen hatten sich die beiden Burschen niedergelassen.
In einem Holzgehäuse, zur rechten Seite der Türe, war eine alte Wanduhr eingebaut. Das Gehäuse war wurmstichig, und die bunt gemalten Blumen waren arg verblaßt.
An der Spitze dieser Uhr aber standen in weißen Farben zwei Namen geschrieben. Es waren offenbar die Namen der Eltern des jetzigen Besitzers; denn die Ziffern, welche die beiden Namen trennten, wiesen eine Jahreszahl auf, die beinahe fünfzig Jahre zurücklag.