»Recht kommod ... so eppas!« rief der Perlmoser zornig. »Aber da wird nix draus ... daß d' es woaßt. Wann schon du koa Ehr' und G'wissen mehr hast ... i hab' oans. Und für so eppas gib i mi nit her! Ös habt's dahoam zu bleiben! Verstanden?« schrie der alte Mann erbost.
Er war ein harter Bauernschädel, der Perlmoser, und nur schwer von einer einmal vorgefaßten Meinung abzubringen. Der Perlmoser war wohl fast der einzige Bauer im ganzen Umkreis, der seine Ansicht über den Florl und die Regina auch jetzt noch beibehalten hatte. Und so erzürnt war er noch immer über diese beiden, daß er sie, wenn er zufällig einmal mit ihnen zusammentraf, hartnäckig übersah und ohne Gruß an ihnen vorüberging.
Und unversöhnlich war der Bauer auch mit seinen Töchtern, der Rosina und der Julie. Als die Rosina im Frühling heimgekommen war und auf den Perlmoserhof zu den Eltern kam, da war der Alte genau so grob mit der Tochter wie damals mit dem Florl und der Regina. Sie habe nichts verloren auf seinem Hof, sagte er ihr klipp und klar, und es sei ihm lieber, wenn sie ihm überhaupt nicht mehr unter das Gesicht käme.
Die Rosina war schwer beleidigt, um so mehr, da sie viel Geld mitgebracht hatte, das sie der Mutter heimlich zustecken wollte. Aber keinen Knopf durfte die Bäurin von der Rosina annehmen. Bei Heller und Pfennig mußte sie's der Tochter zurückbringen, als der Bauer hinter die Sache kam.
»Und ehnder verreck' i ... als daß i mir von so oaner eppas schenken lasset!« rief der Perlmoser zornig. »Soll arbeiten ... das Mensch ... wia amerst ... aft war' uns g'holfen. Aber so a Lottergeld brauch' i nit!« erklärte er energisch und ohne einen Widerspruch zu dulden.
Der Perlmoser war in jeder Hinsicht unversöhnlich geblieben. Um keinen Groschen durfte dem Florian Siegwein für seinen Gasthof etwas geliefert werden. Er wußte es wohl, der Bauer, daß der Florian hohe Preise für Butter, Milch und Rahm bot, und für den Perlmoser wäre es recht bequem gewesen, wenn er seine Produkte gleich hätte herabliefern können, statt sie den zeitraubenden Weg ins Tal hinaus zum Verkauf tragen zu lassen.
Sein harter Bauernschädel ließ das aber nicht zu. Nie und nimmer, so hatte er geschworen, würde er der »Bande« da drüben etwas liefern, und hatte sich deswegen sogar mit den Nachbarsleuten verfeindet. Der Söllerbauer hatte gleich den übrigen Bauern seine Meinung über den Florian geändert und war stolz auf seinen Schwiegersohn geworden. Gleich den andern umschmeichelte er jetzt den Mann, der neues Leben und viel Geld ins Land hereinbrachte ...
Der Wastl dachte daran, wie er jetzt mit seiner Last am Rücken und dem Knaben im Arm gebückt durchs Tal herausschritt, wie hart das damals gewesen war, für seine Kinder ein Unterkommen zu finden. Die Perlmoserin hatte sich endlich ins Zeug gelegt und für die Enkelkinder ein gutes Wörtl bei dem Großvater geredet.
Die Perlmoserin war eine robuste, etwas vierschrötige Person, anfangs der Fünfzig. Ein Arbeitstier und von unermüdlichem Fleiß, wie es selten zu finden war. Von dieser Mutter hatten die drei Perlmosermädeln wohl die Lust an der Arbeit gelernt, die für sie früher nur ein frohes Spiel gewesen war. Sie war mittelgroß, die Perlmoserin, und hatte ein gutmütiges, beschränkt dummes Gesicht. Es war stark gerötet und mochte in der Jugend wohl einmal so zart und rosig gewesen sein wie das ihrer beiden blonden Töchter. Jetzt aber war es schwammig und etwas aufgedunsen, und die hellen Augen hatten ihren Glanz eingebüßt. Das blonde Haar war dünn und farblos geworden, und die Zöpfe reichten kaum mehr aus, sie um den breiten Kopf zu legen. Nur mühsam konnten sie noch zum Kranz geordnet werden; aber das schmale schwarze Samtband, das die Perlmoserin gleich den übrigen Bäurinnen als Abschluß am Haarscheitel trug, verdeckte zum Teil den spärlichen Wuchs und erhöhte zugleich den Eindruck der Sauberkeit und Ordnung, den die Bäurin stets zu machen pflegte.
Von jeher war der Perlmoser unumschränkter Herr und Gebieter im Hause gewesen, und sein Weib hatte nie auch nur den leisesten Versuch gewagt, sich gegen ihn aufzulehnen. Und als die Bäurin jetzt auf einmal sich auf die Seite des Schwiegersohnes stellte und gegen ihren Mann auftrat, war dieser zuerst so erstaunt über diese Kühnheit, daß es ihm einfach die Rede verschlug.