Die Kinder schluchzten laut und herzzerbrechend. Und alle kamen sie, vom Größten bis zum Kleinsten, zur Mutter und baten um den Segen, den die schwache Hand kaum mehr zu geben vermochte.

Das war hart gewesen ... Viel schwerer eigentlich als das, was nachher folgte. Härter, als da man die Tote zu Grabe trug, und härter als jene Zeit, in der nach Jahresfrist die Stiefmutter ins Haus zog.

Eines nach dem andern hatten sie dann fortgemußt vom Vaterhaus. Als Kinder noch waren sie zu fremden Leuten in Dienst gekommen und hatten arbeiten müssen wie die Erwachsenen.

Wie schwer das ist für Kinder, dieser Frondienst ums tägliche Brot! Die schwachen jungen Glieder tagtäglich im Morgengrauen vom harten Strohlager erheben, wo es noch so schön gewesen wäre zu schlafen! Bei Wind und Regen und in der Kälte viele Stunden am Acker zu arbeiten, bloßfüßig und mit nackten Beinen und blaurot vor Frost; denn man war ja zu arm, um warmes Zeug zu besitzen, und auch zu arm, um sich ein zweites Paar Schuhe anzuschaffen. Und dieses eine, das man besaß, mußte man schonen für den Kirchgang am Sonntag.

Ein karger Lohn war's, der für die Leistung dieser Kinder bezahlt wurde. Kaum ausreichend im Jahr für ein neues Gewand. Und in all der Armut, all der harten Arbeit, die viel zu schwer für die weichen Muskeln der Kinder war, noch die große, brennende Sehnsucht in den jungen Herzen nach dem eigenen Heim. Diese heiße Sehnsucht, die den Wastl niemals verlassen hatte von jener Stunde an, da er aus dem Vaterhaus hatte fort müssen ... bis zu der Zeit, als er mit seiner Vef in das Gütl vom Göd eingezogen war.

Und jetzt ... Jetzt hatte er sein Heim abgebrochen, ohne Zwang und ohne innern Trieb ... nur weil sein Weib es so hatte haben wollen ...

Immer weiter entfernten sich die Wanderer von ihrer Heimat. Und immer lichter und heller wurde es um sie her, bis die Sonne siegreich und strahlend durch das Gebälke der Wolken brach und die weißen aufsteigenden Nebel im silbrigen Schimmer leuchteten.

Majestätisch war das ... dieses langsame Ansteigen der hellglänzenden Nebel ... und war wie ein Vorhang, der einen unendlich großen, herrlichen Raum zu verhüllen hatte.

Und in all der tiefen Traurigkeit seines Herzens erinnerte sich der Wastl an die Worte, die sein Weib damals zu ihm gesprochen hatte. Erinnerte sich an die Vorstellung, die ihr oft gekommen war, wenn durch die weißen aufsteigenden Wolken die Sonne sieghaft leuchtete. Wie die Vef sich in ihrem einfachen Sinn einbildete, daß hinter diesem Wolkengebälk ein schönes, glänzendes Weib sich verborgen hielte ... eine Königin ... voll Pracht und Glanz.

Eine Königin ... Und hieß Königin Heimat ... Königin Heimat ...