Und rührend unbeholfen war er in den glänzenden, hellerleuchteten Festsälen, wo die Spiegel an den Wänden glitzerten und die Kleider und der Schmuck der Damen ihn blendeten. Da wurde es ihm so wirbelig im Kopf, daß er, der nie in seinem Leben selbst auf den höchsten Bergspitzen einen Schwindel gekannt hatte, umzufallen vermeinte. Denn alles drehte sich mit ihm im Kreise, und die Luft und der Lichterglanz beklemmten ihn, und er fühlte sich tief unglücklich. Er machte gar keine gute Figur, der arme Wastl, und manchmal sang er in seiner Verwirrung so falsch und schlecht, daß es den Florian fast gereute, ihn mitgenommen zu haben.
Aber die Vef brachte ihn dann schon wieder zurecht. Die schimpfte und greinte mit ihm nach einer jeden solchen Entgleisung so energisch und zornig, wie sie es in der Gungl drinnen getan hatte.
Völlig wohl tat es dem Wastl, dieses Schimpfen. Das war doch wieder seine alte Vef, sein Weib, nicht die gewandte, schöne Frau, welche all die fremden Leute so verehrten.
Daß diese strahlend schöne Frau ausgerechnet einen solchen Bauer zum Manne haben mußte, konnten sie alle nicht begreifen. Und wie eine Klette klammerte sich der Wastl an die Vef, wich nie und für keinen Augenblick von der Seite seiner Frau, und hatte doch weder Eifersucht noch Mißtrauen gegen sie. Er vertraute seinem Weibe unbedingt und war von ihrer großen, unwandelbaren Liebe zu ihm felsenfest überzeugt.
Die Vef hatte einen andern Ton in die kleine Sängertruppe gebracht. Der Florian Siegwein war jetzt nicht mehr wie ehedem unumschränkter Herr und Gebieter; denn die Vef widersetzte sich ihm in allen Dingen, die ihr nicht unbedingt einleuchteten. Ihr starker, ausgeprägter Wille wollte sich einer Bevormundung, und wenn dieselbe auch in der besten Absicht geschah, nicht unterordnen. So kam es, daß es jetzt oft Uneinigkeiten gab ... wo sonst nur Harmonie und Disziplin geherrscht hatten.
Der Florian Siegwein hatte oft einen harten Stand mit der Vef und recht viel Arger. Ihr hochmütiger Sinn vertrug es absolut nicht, daß der Florian der Regina eine Sonderstellung einräumte. Daß die kleine, unbedeutende Regina Herrin sein sollte, das vertrug die Vef nun einmal gar nicht.
Es kam oft zum Streit zwischen den beiden Frauen, und die Lage wurde so unerquicklich, daß es die Regina vorzog, überhaupt nicht mehr mit auf Reisen zu gehen, solange die Vef dabei war.
Auf die Vef aber konnte der Florian nicht mehr verzichten. Und als ihm die Vef im dritten Winter ihres Beisammenseins nach einem heftigen Wortkampf mit der Regina die Alternative stellte, entweder sie oder die Regina müsse weichen, da entschied sich der Florian im Interesse seines Unternehmens zugunsten der Vef.
Zum Glücke fügte er seiner Frau keinen sonderlichen Schmerz dadurch zu. Der Regina gefiel das Wirtin spielen so ungemein gut, daß sie auch in den Wintermonaten recht gerne daheim blieb.
Der Florian und die Regina hatten nach einer kinderlosen Ehe jetzt die Aussicht auf Familienzuwachs. Und seit das Kleine da war, blieb die Regina doppelt gerne zu Hause. Es war ihr doch mit der Zeit etwas unbequem geworden, so unstet von Ort zu Ort zu wandern und immer, ob man wollte oder nicht, zu singen. Jetzt, da sie ihr eigenes Heim hatten und da sie geachtet waren in der Heimat, gefiel es ihr wieder so gut in den Bergen wie in ihrer Jugend.