Sie verlangte sich gar nicht mehr fort und freute sich innig an dem Kinde, das ihnen nun doch noch beschert worden war. Alle Zärtlichkeit, die in ihrem weichen Gemüte vorhanden war, verschwendete sie an ihr Töchterchen. Spielte mit ihm wie mit einer Puppe und freute sich in den langen Wintermonaten auf den Frühling, der den Florian brachte und die Menge fremder Gäste.
Für die Heimat war die Regina also doch wieder zurückgewonnen worden. Der Kramer Veit sah dies und freute sich von ganzem Herzen darüber und besprach es auch mit der Notburg. Und er und die Notburg und der kleine Anderl kamen oft zu der Regina hinauf und plauderten mit ihr.
Ein ehrliches, freundschaftliches Verhältnis war es, das den Kramer Veit und seine Frau mit der Regina verband, und die Notburg sorgte und kümmerte sich um die Regina wie eine Mutter um ihre Tochter. Nur der Anderl, der konnte sich für seine junge Mutter immer noch nicht recht erwärmen. Die Mutter Notburg sei ihm lieber, erklärte er lachend, aber mit Bestimmtheit, und es tat der Regina nun auch gar nicht wehe, und sie warb auch nicht mehr um seine Liebe, da sie einsah, daß sie diese ja doch nie würde erreichen können.
Die Zenz, die Schwester der Regina, regierte im Haus und tat alle Arbeit. Sie hatte sich in diesen fünf Jahren zur eigentlichen Leiterin des Alpengasthofes herangebildet und war unermüdlich tätig von frühmorgens bis in die späte Nacht hinein.
Die Regina war für eine richtige Arbeit wohl für immer verloren. Von Jahr zu Jahr wurde sie bequemer und rührte sich nur noch wenig aus der geräumigen Gasthausküche. Hier schien es ihr ganz besonders gut zu gefallen, und sie saß am Küchentisch und schälte Kartoffeln. Hatte eine große färbige Schürze vorgebunden, die ihr feines städtisches Gewand verdeckte, und schälte unermüdlich ihre Kartoffeln. Eine nach der andern. Das war die leichteste Arbeit und befriedigte sie vollkommen.
Sie trug jetzt nur mehr die Kleider der feinen Damen und wählte sich solche in möglichst bunten Farben aus. Je bunter und greller sie waren, desto größere Freude hatte sie daran. Der Florian brachte ihr, so oft er heimkam, gleich eine ganze Auswahl von Kleidern und Stoffen mit, und er kannte den Geschmack seiner Frau und richtete sich danach.
Mit der Zeit büßte die Regina ihre zierliche, schlanke Figur ein, und das Fett setzte sich, da sie nur wenig Bewegung machte, aber gut und viel aß, reichlich bei ihr an. Sie wurde rund und schwerfällig, blieb aber das gutmütige, etwas beschränkte Ding, das sie immer gewesen war. Sie keifte nicht und zankte nicht und plagte ihren Mann auch nicht durch ihre Eifersucht.
Nur einen wunden Punkt hatte die Regina, und der war die Sucht nach Geld. Diese Gier artete beinahe in Geiz aus und überfiel sie oft heftig wie eine Krankheit. Bei solchen Geizanfällen konnte die Regina höchst ungemütlich werden, und wenn die Zenz nicht gewesen wäre, die immer wieder vermittelnd eingegriffen hätte, dann hätte es wohl geschehen können, daß der Regina oft mitten in der Hauptsaison alle Dienstboten auf und davon gelaufen wären.
Nichts vergönnte sie dann den Dienstboten und zählte ihnen buchstäblich jede Kartoffel und jedes Stück Brot in den Mund. Aber die Zenz war der versöhnende Ausgleich, und da sie und nicht die Regina die eigentliche Regentin des Hauses war, wachte sie darüber, daß jedes zu seinem Rechte kam.
Das Alpengasthaus, das der Kramer Veit dem Florl erbaut hatte, war jetzt schon viel zu klein geworden, um alle die fremden Gäste fassen zu können, die nun jeden Sommer wiederkehrten. Der Florian hatte schon einen großen Teil seiner Schuld an den Kramer Veit abgezahlt, und Veit Galler sann nach neuen Mitteln, um seine noch immer rege Schaffenskraft zu betätigen.