Er fühlte, es war an der Zeit, das Unternehmen, das er gemeinsam mit dem Florian Siegwein ins Leben gerufen hatte, zu vergrößern. So erbaute er denn eine schöne Villa, in der Nähe des Dorfes. Ein feines, gemauertes Haus, das weiß leuchtete wie die Häuser draußen in dem stattlichen Dorf. Und hier sollten jene Fremden wohnen, denen es droben im Gasthof zu lärmend war.
Viel Ruhe fanden ja die Gäste nicht da oben während der Hauptsaison; denn fast jede Nacht dauerten die Gesänge mit Lautenspiel und die Tänze bis in den frühen Morgen hinein.
Die Notburg machte Hauswirtin in der Villa, und das Moidele, das Kind der toten Mena, half ihr bei dieser Arbeit. So unruhig es droben im Gasthof war, so friedlich und still war es hier unten in der Villa. Und hatte auch einen wundervollen Ausblick, das Haus des Kramer Veit.
Außerhalb des Dorfes, dort, wo der Weg hinunterführte zu dem Teufelssteg, stand es. Man hörte das Rauschen und Brodeln des wilden Gebirgsbaches, und die Luft hier war besonders frisch, und abends pfiff es eisig von den Fernern herüber.
Es war seltsam, wie gut sich die Notburg in all den Jahren erhalten hatte. Wohl war ihr Haar jetzt schlohweiß geworden, aber ihr ernstes Gesicht war noch immer schön, und die hellen Augen hatten einen warmen, mütterlichen Ausdruck. Der herbe, festgeschlossene Mund war milder und weicher geworden, und ein zufriedenes, stilles Glück ging von dieser Frau aus.
Veit Galler, der Krämer, hatte recht getan, als er damals das fremde Kindl seinem Weibe heimgetragen hatte. Es hatte ihnen beiden das Glück gebracht und jene Wärme, die der Mann so sehr hatte entbehren müssen. Man fühlte sich jetzt wohl in der Nähe dieser Frau, und ihre mütterliche Sorge umgab alle, die um sie waren.
Einen großen Schatz von Liebe und Fürsorge barg dieses Frauenherz und hatte nur einmal verkümmern müssen, so daß es erstorben schien. Jetzt aber, da das Schicksal ihr ein spätes Glück beschieden hatte, da sie für den Mann und auch für ein Kind sorgen durfte, jetzt erst erschloß sich der ganze Reichtum dieses Herzens und wuchs von Jahr zu Jahr.
Auch das Moidele hatte in dem Haus des Kramer Veit eine Heimat gefunden und in der Notburg eine Mutter, die sie belehrte und für sie sorgte.
In der Villa des Kramer Veit wohnten auch der Wastl und seine Frau. Es war merkwürdig, wie wenig die Notburg mit der Vef anzufangen wußte. Fast war's wie Mißtrauen und schlecht verhehlte Abneigung, welche die Notburg gegen diese Frau empfand.
Sie konnte es nun einmal nicht fassen, daß eine Mutter ihre Kinder im Stiche ließ, um Gold und Ehren nachzujagen. Am liebsten hätte sie der Vef das Obdach verweigert, aber das konnte sie nicht wegen der Freundschaft mit dem Florian Siegwein. Die Vef hatte sich mit der Zeit zu einer Machtstellung emporgearbeitet und war für den Florian jetzt völlig zu einer Tyrannin geworden. Sie war sich ihres Wertes für ihn vollkommen bewußt und handelte auch danach.