Der Wastl ging in der Heimat geduckt und gequält einher. Er war wohl der einzige der kleinen Sängerschar, der das Arbeiten nicht nur nicht verlernt hatte, sondern dem die Arbeit auch noch ein Bedürfnis geblieben war. All die Zeit, die sie in der Heimat weilten, fühlte sich der Wastl doch wieder wie von einem schweren Alpdruck befreit. In dieser Luft konnte er wieder leichter atmen und fast so gut und traumlos schlafen wie vor Jahren.

Er half dem Kramer Veit, wo er nur immer konnte, griff ungeheißen bei jeder Arbeit zu und scheute vor nichts zurück. Wie ein Knecht schuftete der Wastl von früh bis spät für den Kramer, bis es dann wieder mit einem Male über ihn kam. Jenes alte Elend, unter dem er immerwährend litt ... die Sehnsucht nach dem eigenen Herd und die Sehnsucht nach seinen Kindern.

Das überfiel den Mann so jäh und heftig wie eine Krankheit, so daß er an allem die Lust verlor und tagelang nur vor sich hinbrütete ... mit keinem Menschen sprach und auch nichts arbeitete.

Dann strich er einsam über die Wiesen und starrte stundenlang in die Richtung, wo in der Ferne die Berge aus der Gungl herübergrüßten. Und dann wieder wanderte der Wastl und legte weite Wege zurück. Und kein Mensch wußte, wohin er ging.

Kein Mensch ... außer dem Kramer Veit. Der ahnte, daß der Wastl Ausschau hielt nach einem neuen Heim ... aber er wußte genau, daß alle Mühe, je wieder einen eigenen Herd zu gründen, vergebens sein würde. Er wußte: die Vef hatte die Lust an der Bauernschaft für immer verloren ... und er wußte: sie hatte auch die Liebe zu ihren Kindern eingebüßt.

Wie wenig sich diese Frau überhaupt um ihre Kinder kümmerte! Mit Ingrimm sah es die Notburg und besprach es auch mit ihrem Manne.

Die Vef schämte sich ihrer Kinder vor den vornehmen Fremden, schämte sich, daß sie so derb und unwissend waren, und bestand mit der ihr eigenen Energie darauf, daß der Wastl die beiden Buben von den Großeltern fortnahm und sie in ein Institut brachte. Dort sollten sie Bildung lernen und Städter werden. Und als der Wastl, gehorsam wie immer, ihr auch diesen Willen tat, da nahm sich die Vef fest vor, ihrem Manne einmal klipp und klar zu erklären, wie sie sich ihre Zukunft von nun ab vorstellte.

Das war, als der Wastl wieder einmal seinen trübsinnigen Anfall hatte und sich tagelang nicht sehen ließ. Er ging der Vef absolut nicht ab, der Mann, und sie machte sich auch keine Sorgen um ihn. War froh, daß sie ihn ein bissl los hatte und sie sich droben im Gasthaus ungestört mit ihren Freunden unterhalten konnte.

Daß sich ihr Mann gar so getreulich an ihre Fersen heftete, das paßte der Vef schon längst nicht mehr. Er hinderte sie in ihrer Freiheit, und seine traurige, stille Art reizte sie. Sie fühlte seinen stummen Vorwurf und wußte, an welcher Sehnsucht er krankte.

In diesen letzten Jahren waren sich Mann und Frau innerlich immer fremder geworden. Denn auch die Vef machte den Mann für ein verfehltes Leben verantwortlich. Sie fühlte sich durch ihn gebunden und lechzte förmlich nach ihrer Freiheit. Was bedeutete ihr, der gefeierten Frau, noch dieser einfältige Bauer, dem das Leben, das sie führten, eine fortgesetzte Pein war? Was waren ihr die Kinder, die sie ihm geboren hatte? Einmal ... ja, da hatte sie diese Kinder liebgehabt. Von ganzem Herzen.