Und um dieser Kinder willen ... so redete sie sich ein ... war sie in die Welt gezogen. Jetzt aber waren ihr die Kinder fremd geworden, und sie fühlte wenig mehr, als einzig nur die Last, sie versorgen zu müssen. Die Liebe, die sie einstmals mit dem Wastl verbunden hatte, war erkaltet. Und mit dieser erstorbenen Liebe war auch die Zuneigung zu ihren Kindern verschwunden.

Dem Kramer Veit machte das verstörte Wesen des Wastl ernste Sorge. Er teilte auch der Vef seine Besorgnisse mit, und das war's, was die Vef dazu brachte, einmal offen mit ihm über ihren Mann zu reden.

Es ging schon wieder gegen die Neige des Sommers, und droben im Gasthaus traf der Florian Anordnungen für die neue Winterreise. In der Villa des Kramer Veit, die er zum Teil selbst bewohnte, saßen sie im Abenddämmer in der gut eingerichteten Wohnstube und warteten auf den Wastl. Die Notburg und der Anderl und der Veit und die Vef.

Es war Zufall, daß die Vef sich einmal in der Wohnstube der Notburg aufhielt. Für gewöhnlich mied sie den Umgang mit dieser Frau genau so, wie ihr die andere auswich. Sie hatten sich herzlich wenig zu sagen, diese beiden Frauen; und wenn sie jetzt scheinbar in voller Harmonie nebeneinander saßen, so war das lediglich dem Umstand zu verdanken, daß das Moidele, von der Notburg geschickt, die Vef vom Alpengasthof heruntergeholt hatte.

Die kleine Toni, die bei den Kirchenmäuseln untergebracht war, lag krank und hatte ein hitziges Fieber. Eines der beiden alten verhutzelten Weiblein war noch am späten Nachmittag gekommen und hatte der Notburg die Botschaft gebracht. Und diese hatte dann das Moidele sofort zu der Vef geschickt, da der Wastl wieder einmal tagelang fortgeblieben war.

Die Vef war zu ihrem Töchterchen geeilt und fand dieses glühheiß und im Fiebertraum. Das erzählte sie jetzt, und der Kramer Veit erbot sich, noch in dieser Stunde zu dem Arzt zu gehen, der draußen im Tal in dem großen Dorf wohnte.

Es regnete in Strömen, und die Nebel legten sich dicht und schwer von den Bergen herab. Die Notburg machte ein besorgtes Gesicht; denn sie sah es nicht gerne, daß ihr Mann stundenlang der Unbill der Witterung ausgesetzt war. Wenn er auch rüstig und noch ungebrochen war, der Veit, der allerjüngste war er ja trotzdem nicht mehr und auch nicht mehr so widerstandsfähig wie in früheren Jahren.

In der Vef regte sich das Gewissen, und sie war aufgeregt und sehr beunruhigt. Dieser Erregung machte sie Luft, indem sie heftig über den Wastl zu schimpfen anfing.

»A so a spinnet's Mannsbild!« brach die Vef über eine Weile die tiefe Stille, die sich fast beängstigend über die Stube gelegt hatte ... »Rennt grad' umadum und laßt nix sehen und nix hören von sich. Daß grad' i an söllen Tolm hab' derwischen müssen!« sagte sie unwirsch und voll Vorwurf.

Sie gaben ihr keine Erwiderung. Weder der Veit, noch die Notburg. Hielten sich zurück und schauten schweigend vor sich hin. Der Anderl aber, der ein halbwüchsiger Bursch war, schlank und schmächtig, konnte sich nicht enthalten und erwiderte der Vef resolut und frech nach Jungenart.