»Kümmerst di ja sischt aa blutswenig um ihn. Brauchst iatz aa nit grad' schimpfen anz'heben.«
»I schimpf' ja nit!« meinte die Vef ruhiger. »Aber hergehn soll er, bald man ihn braucht.«
»Braucht'n koa Mensch nit!« erklärte der Anderl. »Kann do nit helfen. Und an Doktor derholen wir aa no fürs Tonele.«
»Könnt' ja oaner von oben abi giahn ins Dorf!« meinte die Notburg über eine Weile. »Sein ja g'nuag sölle junge Löder oben. 's Kind kann man nit ohne Hilf' lassen über Nacht!« fügte sie bedenklich und voll Mitleid hinzu.
Der Anderl war schon bei der Tür draußen und lief so rasch er konnte in dem strömenden Regen hinauf zum Alpengasthof. Ein warmherziger Bub war der Anderl, voll Mitgefühl für das Leid der andern.
Die Vef war doch recht unruhig über ihr krankes Kind. Je dunkler es wurde, desto ungemütlicher wurde es ihr. Sie hielt das ruhige Sitzen und Herwarten nicht mehr aus. Stand auf und schaute durchs Fenster. Sah die schweren, dunklen Wolken, die sich beklemmend und drückend übers Tal senkten, und schwer legte sich ihr die Angst aufs Herz.
»Wird wohl nit g'fährlich krank sein ... 's Tonele?« frug die Vef über eine Weile. Heiser und stockend kam ihr die Frage über die Lippen. Sie erschrak über den Klang ihrer eigenen Stimme. So fremd und hohl und ungewöhnlich laut kam er ihr vor.
Und wieder erhielt sie keine Antwort. Weder vom Veit, noch von der Notburg. Die saßen am Tisch in der Wohnecke, und der Veit stützte seine Arme schwer auf die Platte. Es war unerträglich für die Vef, dieses Schweigen. Daß diese beiden alten Leute auch gar nicht reden wollten. Und daß der Wastl gar nicht herging, wenn sie einmal wirklich Verlangen nach ihm trug.
»Meinst, Notburg ... 's Tonele wird wieder?« wandte sich die Vef mit ihrer Frage direkt an die Frau, die reglos an der Seite ihres Mannes saß. Ihr schlohweißes Haar hob sich hell ab in dem Dämmer der Stube, so daß es beinahe leuchtete.
Die Notburg zuckte die Achseln. »Woaß nit!« sagte sie trocken und ohne Mitgefühl.