Die Vef hatte, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken, zugehört. Reglos saß sie vor dem Mann und war noch blässer wie zuvor.
Und einen Augenblick lang schaute sie dann nachdenklich zu Boden. Und dann erhob sie sich, und stolz und aufrecht stand sie vor dem Kramer Veit und sah ihm ernst in die Augen.
»Soll wohl wieder Bäurin machen, meinst?« frug sie ruhig, aber ohne Schärfe.
»Braucht nit zu sein.« Der Veit hob die Schultern leicht. »Könnt' aa sein ...«
»Veit ...« Die Vef ließ ihn nicht ausreden. »Gib dir koa Müh' nit. Grad du solltest es besser verstehn, wie mir ist. Grad du! Glaubst wirklich, daß a Weib wie ich noch g'schaffen ist für an Bauersmann? Glaubst nit ... daß es besser wär' ... besser für mi ... und aa für ihn ... wenn er mich meine Weg' allein gehn ließ'? War' hart für ihn ... i gib's zu ... aber nur für a kurze Zeit. So hängt er sich an mich wie a Kletten und lebt a Leben, das ihn umbringt. Das Leben aber ist Leben für mich .. ich brauch's, und er verdirbt dabei. Veit ...« sagte die Vef entschlossen ... »wann du dem Wastl wirklich was Gut's tun willst ... dann bring' ihn dazu ... daß er wieder a Bauer wird. Soll mich lassen und die Kinder zu sich nehmen. 's war' aft nit viel anders ... als wenn i g'storben wär'. Und wenn er's tät', aft war's a wirkliche Liab ... kimmt mir für.« —
Noch in später Nacht kam der Wastl nach Hause. Müde und bis auf die Haut durchnäßt. Und ging noch in derselbigen Stunde mit seinem Weib ins Dörfl hinein, wo das Tonele zum Sterben lag.
Zwölftes Kapitel
Sie blieben die ganze Nacht bei dem kranken Kinde und wachten bei ihm. Der Doktor kam zu später Stunde, untersuchte das Kind sorgfältig und sprach ihm das Leben ab.
Eine schwere Halsbräune hatte das Tonele befallen, und mühsam rang das Kind nach Atem. Die beiden alten Weiblein, die bisher das Tonele betreut hatten, machten verzagte Gesichter. Sie verstanden nicht viel von Krankenpflege und standen den Anordnungen des Arztes völlig verständnislos gegenüber.
Dumpf und schwer war die Luft in der länglich schmalen Kammer, in der das kranke Kind lag, und die Vef riß Türe und Fenster auf, um dem Kind Erleichterung zu verschaffen.