Das war alles.
Und die Frau erkannte die Not dieser Stunde und war gut zu der Vef. Beugte sich über die Verzweifelte und streichelte ihr weich wie einem Kinde über das blonde Haar. Sie sagte kein Wort, aber ihre innere Güte legte sich warm auf das Herz des hart ringenden Weibes ...
Sie hatten das Tonele schön aufgebahrt in der Stube der beiden alten Jungfern. In einem weißen Kleidchen, das die Notburg genäht hatte, lag das Kind da, und ein weißes Kränzlein schmückte das dunkle Haar. Und friedlich, wie schlafend sah das Tonele aus, hatte die Händchen gefaltet und einen glückseligen Zug in dem wachsbleichen Gesichtchen. Zwei Kerzen brannten zu ihren Häupten, und Blumen waren über die weiße Decke gelegt. Und die Nachbarn kamen, um an der Leiche des Kindes zu beten und sie zu ehren.
Die alten verhutzelten Jungfern gingen im Hause umher, so lautlos und still, als sie es nur vermochten. Hielten den Rosenkranz in den welken Händen, aber machten verzagte, hilflose Gesichter und hatten feuchte Augen. Und dankten allen, die gekommen waren, das tote Tonele zu ehren.
Armes Tonele! Wenn sie's doch erlebt hätte, diese Ehrung! Unbeachtet war sie herumgeschlichen ... überall und allen im Wege ... und überall und bei allen überflüssig.
Sie waren immer gut mit dem Kinde gewesen, die beiden Kirchenmäuseln, und hatten ihr nie ein böses Wort gegeben. Und doch fühlte es das kleine Mädele mit dem feinen Gefühl des verlassenen Kindes, daß sie nur eine überflüssige Last für alle bedeutete. Scheu drückte sie sich in den Winkeln des Hauses herum, spielte einsam in dem kleinen Garten und wich allen aus. Sah alle, die sie ansprachen, mit großen, furchtsamen Augen an und blieb meistens die Antwort auf die Fragen schuldig, die man an sie gerichtet hatte. Zu niemandem faßte das Kind Zutrauen, und für niemanden hatte sie eine herzliche Liebe.
Und nun, da sie gestorben war, da war sie zu Ehren gekommen. Ihr Vater weinte um sie, und ihre Mutter und die Großeltern vom Perlmoserhof. Und die Julie kam und die Rosina und brachten ihr Blumen, und hatten doch so selten ein gutes Wörtl übrig gehabt für das einsame Kind ...
Der Kramer Veit hatte sich des Wastl angenommen. Nachdem sie die Kleine begraben hatten, hatte Veit Galler, der Kramer, den Wastl am Arm genommen und war mit ihm hineingegangen in die Gungl. Er wußte gar wohl, was dem Mann jetzt not tat.
Ein paar Tage sollte der Wastl wieder drinnen leben in der alten Heimat und sich an seinem ältesten Buben freuen. Der Martl gedieh und blühte und wuchs, daß es eine Freude war. Und war so ganz das lebfrische Bauernbübl, wie es der Wastl und auch der Veit einmal selber gewesen waren.
Und drinnen in der Gungl, in dem Heim des alten Göd, da sprach der Kramer Veit mit dem Wastl. Redete ernst mit ihm, wie ein Mann zum andern.