Diese Drohung hatte aber nur die Wirkung, daß sie in offenbarem Ergötzen über den Ärger der Mutter sich mutwillig und polternd von der Bank herabfallen ließen und sich in einem Haufen am Boden balgten und ausgelassen Purzelbäume schlugen. Dies wieder bereitete den andern Kindern ein solches Vergnügen, daß sie sich mit Geschrei und Gelächter gleichfalls an der Balgerei am Boden beteiligten und so einen Höllenspektakel verursachten.
Jetzt kam das Regerl in die Stube. Sie trug eine große Schnapsflasche in der Hand und stellte sie auf den Tisch hin. Dann holte sie aus einem Seitenkästchen, das in der getäfelten Wand seitwärts des Tisches angebracht war, ein paar kleine derbe Gläser und goß Schnaps in jedes.
»G'sundheit, Kramer!« sagte sie freundlich und stellte ein volles Glas vor ihn hin.
»B'scheid tun!« meinte der und hielt ihr das Glas zum Antrinken entgegen.
Das Mädel nippte leicht und stellte das Glas dann wieder auf den Tisch.
»G'sundheit, Regerl!« stießen nun auch der Florl und der Wastl mit ihr an.
Die Bäurin trat jetzt mit gemächlichem, etwas schleppendem Gang in die Stube. Die Neugierde hatte sie hereingetrieben; denn sie wollte den fremden Besucher doch etwas genauer betrachten.
Sie war nicht allein, sondern hatte ein unförmlich dickes, zappelndes Kind, das kaum laufen konnte, an ihrem Rocksaum hängen. Die Bäurin war nicht viel größer wie das Regerl, aber kräftiger als die Tochter und sah sehr bequem und etwas verdrießlich zugleich aus.
Das Gesicht war sonnverbrannt und schon voll Furchen, war aber trotzdem noch immer hübsch und sah der Tochter auffallend ähnlich. Die Bäurin war aber nicht so sauber und ordentlich gekleidet wie das Regerl, und ihre dunklen Zöpfe, die sie gleichfalls zur Krone gewunden um den Kopf trug, bekundeten immer eine starke Neigung, ihren Halt zu verlieren, und mußten von Zeit zu Zeit festgesteckt werden. So hatte die Bäurin, während sie sich neben dem Fremden auf die Bank niederließ und ihn seitwärts eingehend und sehr genau musterte, eine fortwährende Beschäftigung für ihre Hände.
Das unförmig dicke Kind im langen dunklen Kittelchen saß ihr zu Füßen und bemühte sich vergeblich, unter den Rock der Mutter zu kriechen. Es hatte offenbar Angst vor dem Fremden und wollte sich vor ihm verstecken. Da ihm das nicht gelang, fing es in langgezogenen Tönen zu schreien an.