In langem Zug zogen sie vom Gasthof herab in die kleine Dorfkirche, und die Bauern des Dörfels schauten bei dem eigenartigen Schauspiel zu und lachten darüber. Sie lachten über den koketten Aufzug der Braut, die sich in ihrer Bühnentracht zur Kirche begab, und viele empörten sich über den schamlosen Ausschnitt des schwarzen, samtenen Miederleibchens. Aber den Fremden, die in der Hauptsache das Kirchlein füllten, gefiel es, und sie hielten die pomphafte Aufmachung für echten Bauernbrauch.

War eigentümlich, wie wenig die Fremden in Wirklichkeit von dem wahren Bauerntum in sich aufnahmen. Sie lebten oft wochenlang unter den Bauern, sahen ihre Arbeit und hörten ihre Sprache. Aber von ihren wirklichen Sitten, von ihren Gebräuchen und ihrer Art ahnten sie nur wenig. Die Bauern blieben verschlossen und mißtrauisch gegen alles Fremde und nützten nur ihren Vorteil aus. Waren freundlich und erwiderten die Anreden, aber sie sprachen anders wie sonst und über Dinge, die dem Bauer eigentlich gleichgültig sind.

Am Abend der Hochzeit hielt der Florian Siegwein zu Ehren des Brautpaares einen großen Bauernball ab. Und alle, die da wollten, konnten kommen, um mitzutanzen. Es tanzte das Stadtfräulein mit dem Melcherknecht vom Alpl droben und der feine Stadtherr mit der derben Bauernmagd, und bis zum frühen Morgengrauen dauerte das Fest.

Auch der Stanis hatte sich eingefunden und wirbelte mit affenartiger Behendigkeit im tollen Tanz. Es war erstaunlich, wie geschmeidig der Melcher trotz seiner vorgerückten Jahre noch geblieben war. Konnte es im Schuhplatteln noch immer mit den jüngsten Burschen aufnehmen und war rauflustig trotz seines stark ergrauten Bartes wie in jungen Jahren. Sie vermieden es noch immer, die jungen Burschen, mit dem Stanis anzubandeln; denn sie fürchteten sich, eine Niederlage zu erleiden.

Und heute hatte der Stanis wieder einmal weit über den Durst getrunken. War aber trotzdem immer noch standfest auf den Beinen, der kleine Kerl, und ließ auch nicht einen einzigen Tanz aus. Und just die feschesten Tänzerinnen wählte er sich. Er machte Witze, daß die Damen erröteten und die Burschen vor Vergnügen laut gröhlten.

Die Herren aber, die es hörten, ärgerten sich über den ausgelassenen alten Kerl und verlangten von dem Florian Siegwein, daß er ihn entferne. Dem Stanis gefiel es jedoch so ausgezeichnet auf dem Ball, daß er gutwillig gewiß nicht ging. Das wußte der Florian ganz genau und war einigermaßen in Verlegenheit, wie er den Stanis losbringen sollte.

Es fand sich keiner der Burschen, der den Stanis mit Gewalt hinausgeschmissen hätte. Sie wollten es nicht verderben mit ihm; denn sie mochten ihn alle gut leiden und fürchteten seine Rache. Aller List, die sowohl der Florian wie auch die Regina anwandten, widerstand der Stanis.

Er wünschte diese tolle Nacht voll auszunützen und blieb ... allen Bemühungen zum Trotz ... fest auf seinem Posten. Hüpfte und tollte und gröhlte und wurde den Damen immer aufdringlicher. Er küßte sie beim Tanz ganz ungeniert auf den Mund, gerade so, als ob es eine Bauerndirn gewesen wäre; und ganz verliebt tat er mit einer kleinen blonden Frau, die ihm besonders gut zu gefallen schien.

Wie eine Klette hing er sich an ihr an, umarmte sie mit tolpatschiger Zärtlichkeit und ließ sie nicht mehr los. Und alles Wehren der jungen Frau war vergeblich. Auch als sich der Florian, von dem Gatten der Dame aufgestachelt, dem Stanis energisch in den Weg stellte, half es nichts. Der Stanis parierte dem Florian einfach nicht, frech und unverschämt wie ein Junger.

»Mach' di ... du ...« warnte der Stanis und schob den Florian mit einem seiner kunstvollen Rauferkniffe, die ihn so unüberwindlich machten, beiseite, so daß der stämmige Mann in weitem Bogen in den Saal flog.