Noch nie war es vorgekommen, daß er bei einer Rauferei unterlegen wäre. Und daß sie nun alle gegen ihn waren, empfand er als Heimtücke und Niedertracht. Er kannte keinen Unterschied des Standes, der Stanis. Rauferei blieb Rauferei. Wer auf dem Tanzboden anwesend war, mußte sich seine Späße eben gefallen lassen. Und wer das nicht wollte, mit dem raufte er halt. Aber die andern sollten ihn in Ruhe lassen und sich nicht einmischen. Mit dem hearrischen Tolm wollte er allein fertig werden.
Der Stanis brüllte, außer sich vor Zorn, wie ein wildes Tier, als man ihn gewaltsam von dem Herrn zu trennen versuchte. Seine Füße baumelten in der Luft, und seine Hände umklammerten den Hals seines Gegners, daß dieser blaurot im Gesicht wurde und hart nach Luft rang.
Und in dieser Angst stieß er den Stanis mit den Füßen und brachte ihn zu Fall. Fiel aber über ihn, denn der Kerl ... toll vor Wut ... ließ nicht von ihm ab. Und pfauchte und pfiff vor sinnlosem Zorn. Und würgte den Hals des Fremden, der schwer über ihm lag. Und der Stanis fühlte, wie seine Finger, die sich in den Hals des Gegners gleich Eisenklammern einkrallten, gewaltsam gelöst wurden, und in seiner sinnlosen Wut, die tierisch und nicht menschlich war, öffnete er den Mund und biß in das Fleisch des Gegners.
Ein weher Schrei und dann ein pfauchender Laut und noch ein Biß, und Blut quoll aus dem Gesicht des fremden Herrn.
Der Stanis aber ließ von seinem Opfer ab. Er hatte dem Gegner die Nase abgebissen, und mit der Tat kehrte ihm die Ruhe wieder und das Bewußtsein. Er fühlte aber keine Reue, sondern stolze Genugtuung. Denn nun war er trotz der Überzahl der Gegner doch nicht unterlegen.
Und gleich einem Sieger schaute er im Kreise herum, schaute auf die angstvoll erschrockenen Gesichter und auf das entstellte blutige Antlitz des Fremden. Und lachte ... Lachte ... und ließ sich willig und ohne Gegenwehr hinabführen in das stattliche Dorf, wo der Gendarm wohnte ...
Als ihn die Richter für seine rohe Tat zu einigen Jahren Zuchthaus verurteilten, da lachte der Stanis nicht mehr. Es war das Schlimmste, was ihm widerfahren konnte, diese jahrelange Freiheitsberaubung. Und es schürte nur noch mehr den Haß, den er in seinem Innern stets gegen die fremden Leute gehabt hatte. Aber er bereute seine Tat trotz allem nicht.
Vierzehntes Kapitel
Ohne Rast und Ruh' folgte der Wastl seiner Frau. Wie eine fixe Idee war es, die ihn nicht mehr los ließ. Umsonst bat und warnte der Kramer Veit.
»Wastl, vertu' dei' Geld nit. Wirst no a Lump auf die Weis' ...« Es half nichts. Er dachte nicht mehr an die Heimat und nicht mehr an die Kinder. Hatte nur immer den einen Gedanken: die Vef. Und oftmals überkam ihn eine große brennende Angst um sie. Ein Unglück könnte ihr widerfahren, wenn er nicht bei ihr wäre. Er müsse sie schützen, müsse in ihrer Nähe weilen.