Von ferne hörte der Wastl das Rollen eines Wagens. Es kam immer näher und näher. Einförmig und gemächlich trabten die Hufe der Pferde auf dem steinigen Pflaster. Hatten es gar nicht eilig und kamen dann doch immer näher und näher und hielten vor dem großen Hause, wo der Wastl Posten gestanden hatte.
Er drückte sich, um nicht gesehen zu werden, hinter einen Pfeiler des hohen Eingangsportales und starrte, die Hände fest in seinen Manteltaschen haltend, unverwandt auf die Türe, durch die sein Weib kommen mußte.
Die Pferde stampften unruhig, und der Wastl wagte jetzt kaum mehr zu atmen.
Lang dauerte das Warten, so lange, daß der Kutscher, der anfangs vor dem Wagen auf und ab gegangen war, sich in das Wageninnere setzte und dort zu schlafen schien.
Und wieder schlug die Uhr am Turm der fernen Kirche. Ein leiser Lärm regte sich entfernt und ganz allmählich. Die Großstadt erwachte und mit ihr die Melodie des Alltags. Milchgefährte rasselten, und vereinzelte Fußgänger kamen. Und alles hatte noch den Flüsterton der Nacht. Und die Dunkelheit der Nacht wich von der Gasse wie ein schweres Tuch und machte einem leichteren schwarzgrauen Schleier Platz.
Der Kutscher stieg fröstelnd aus dem Wagen, rieb sich die Hände und schritt stampfend und ärgerlich auf und ab. Und unruhig scharrten die Pferde und neigten die Köpfe einander zu, als wollten sie miteinander heimlich bereden, weshalb sie im Grauen des frühen Morgens hier zu warten hatten.
Fest lehnte sich der Wastl an den Pfeiler, hinter dem er versteckt stand. Starrte mit brennenden Augen auf die Tür und krampfte die Fäuste in den Taschen des Mantelrocks.
Und dann öffnete sich die Tür mit leisem Krachen ganz leise und sacht ... und noch ein Flüstern hinter der Türspalte ... ein matter Lichtschein ... und der Schatten eines Weibes.
Und der Wastl stand und horchte und sah ... klar und deutlich, wie sich ein Männerarm um den Nacken seines Weibes legte ... sah, wie sich ihr Kopf zurückbeugte, und sah, wie ihre vollen Lippen sich dem fremden Herrn lüstern darboten. Und knirschend preßte er die Zähne aufeinander und klammerte sich mit beiden Händen an den Pfeiler, um nicht wie ein gereiztes Tier auf das Weib zu springen.
Leichtfüßig wie ein junges Mädchen lief die Vef, ohne den Wastl zu sehen, über den Gehsteig zu dem Wagen hinüber. Der Kutscher schlug den Schlag zu und stieg auf den Bock.