Schon als er noch ein kleiner Bub war, gab es für ihn nichts Höheres, als barfüßig in Hemd und Hose draußen zu liegen im Feld, die Hände unterm Kopf und den Himmel anstarrend. Einsame Plätze suchte er aus, dort, wo selten der Fuß eines Fremden sich hinverirrte. Und lag und träumte viele ... viele Stunden. Aber die Liebe zur Bauerschaft, die fehlte ihm. Wohl arbeitete er fleißig und unablässig, aber der Veit merkte es gut, er arbeitete aus Pflichtgefühl und nur, um den Pflegeeltern Freude zu bereiten.

Der Martl, der älteste Sohn des Wastl und der Vef, hatte jetzt auch ein Heim gefunden beim Kramer Veit. Er diente dort als Knecht und war treu und fleißig.

Ein Heim für die Verlassenen und Unglücklichen war das Haus des Kramers und seiner Frau geworden. Als der Wastl sich immer mehr dem Trunke ergab und ein richtiger Lump geworden war und sich nur mehr selten in der Heimat blicken ließ und die Vef sich auch nicht mehr um ihre beiden Buben kümmerte, da brachte man die Kinder von der Stadt zurück und zum Kramer Veit.

»Veit ...« sagte der Gemeindevorsteher ... »du und dei' Weib ... ös zwoa vermögts es. Nehmt's enk an drum ... damit sie nit aa no verlottern.«

Und sie nahmen sich an um die beiden blonden Buben der Vef und waren nun in ihrem Alter mit Kindern reich gesegnet. Der Anderl und das Moidele, die das Kind der toten Mena war, und dann der Martl und seine beiden Brüder. Und alle hatten sie ein Heim und Liebe und Sorgfalt gefunden.

Daß es wirklich eine so echte christliche Nächstenliebe geben konnte, wie die alten Kramersleute sie aufbrachten?

Wenn der Anderl so stundenlang in seinen Wiesen lag und in den blauen Himmel hinein träumte, dann sinnierte er sich's aus in seinem Kopf und verglich.

Ringsum, wohin er schaute, Selbstsucht und Gier nach Geld. Gier nach Lust und Vergnügen, wie bei den fremden Leuten droben im Hause seiner Mutter. Und Sucht nach Geld und Gewinn, wie es die Bauern im Dörfl machten, die mit jedem Jahr immer schlauer und gerissener wurden. Und dann wieder hartnäckigster Eigensinn, aus übergroßer Selbstliebe entsprungen, der die Schuldlosen traf, wie drüben beim alten Perlmoser und seinem Sohn, dem Jackl. Denn die Perlmoserischen wollten nichts zu tun haben mit den arm gewordenen Verwandten und sagten sich los von den drei Buben der Vef. Und doch nur deswegen, weil der Bauernstolz des Alten zu tiefst getroffen worden war. Das konnte er nicht verzeihen, und das machte ihn hart und unchristlich.

Droben im Hotel tanzte und sang und spielte und liebte man und war voll Lebenslust und toller Freude. Und der Anderl, der zum Mann geworden war, dachte nach und verglich. Verglich aus seinem eigenen Leben; denn er kannte gar wohl die Geschichte der jungen Liebe seiner Eltern.

Damals, als seine junge Mutter mit ihm schwanger ging, als sie, ein halbes Kind, vor der Heimat und der drohenden Schande floh ... da waren sie alle hart gewesen zu dem Mädchen. Keines hätte sich ihrer angenommen, und hätten sie verderben lassen, wenn der Veit Galler nicht gewesen wäre.