Es war ja, wie man erzählte, nun nicht mehr so beschwerlich, das Reisen. An vielen Orten hatten sie eine neue Erfindung eingeführt. Wagen, die auf Eisenschienen rollten und von einer Maschine gezogen wurden. Da ging's schon leichter und auch rascher, das Reisen ...

Und als die schöne Jahreszeit kam, da wanderte der Kramer Veit mit seinem Pflegesohn hinunter ins Tal. Ging schon recht nach vorne gebeugt, der Veit, und nicht mehr so wuchtig und selbstherrlich wie einst. Und neben ihm der junge Anderl, schlank und biegsam und voll Jugendkraft. Und hatte im Rucksack drinnen eine sonderliche Gabe für den toten Vater. Einen großen Topf voll Heimaterde und ein junges Fichtenbäuml. Das sollte Wache halten auf dem Grabe des Tirolers ...

Auf dieser langen Fahrt, die sie gemeinsam unternommen hatten, gestand der Anderl dem Kramer Veit den heißen Wunsch seines Lebens.

Und Veit Galler neigte sein schneeweißes Haupt und redete lange kein Wort. Und dann: »Ist mir recht, Anderl. Und wird der Muatter Notburg aa recht sein. Ist was Gutes und Braves. Aber Anderl ...« voll schauten die großen erkennenden Augen des Alten auf den jungen Mann ... »die Menschen machst aa du nit anders. Kannst mir's glauben. Die bleiben, wie sie sein. Aber lass' di's deswegen nit verdrießen, Bua. Gutes tun kann man überall ... und aa als Bauer und als Geistlicher. Ist mir recht ... Bua ... Ganz recht.«

Aber lieber wäre es dem alten Kramer doch gewesen, wenn der Anderl geheiratet hätte und ein Bauer geblieben wäre. Aber er sagte kein Wort davon. — — —

Und nun hausten sie daheim schon übers Jahr ohne den Anderl, und die Notburg freute sich, daß ihr die Augen feucht wurden, wenn sie daran dachte, daß ihr Anderl ... ihr Kind ... das sie aufgezogen hatte und das so ganz nach ihrem Sinn geworden war ... die heiligen Weihen empfangen sollte.

Die Regina nahm die Nachricht von der Berufswahl ihres Sohnes ziemlich gleichgültig entgegen. Es interessierte sie nur wenig. Sie war mürbe geworden in dem harten Kampf um ihre und ihrer Tochter Existenz. — — —

Und Jahre vergingen. In jenem Sommer, da man den Anderl zum Priester weihte, trieben die Gläubiger die Regina und ihre Tochter von Haus und Hof.

Ein wahres Glück, daß der Veit Galler noch lebte und die Notburg. Denn die Regina war bettelarm geworden.

Sechzehntes Kapitel