Alles Leid hatte er vergessen ... vergessen, daß sie treulos war und zur Dirne herabgesunken ... dachte gar nicht daran ... dachte nur immer wieder das eine ... daß sie wieder hier war ... und in seiner Heimat weilte.

Und dann sah er sie.

Sie saß allein an einem kleinen Tische in einer Fensternische und spielte die Zither. In einem dunkeln Gewande war sie, ohne Schmuck und ohne Zier. Nur in den Ohren trug sie schwere Goldgehänge. Die wirkten auffallend und im seltsamen Kontrast zu der fast ärmlichen Kleidung der Frau und zogen an den kleinen Ohren, daß es aussah, als müßten sie ihr wehe tun.

Die Vef hatte sich von dieser allerletzten Erinnerung an eine glänzende Vergangenheit noch nicht trennen können. Der Wastl kannte diesen Schmuck sehr wohl. Er war selber dabei gewesen, als eine Fürstin, hingerissen von dem innigen Ton ihrer Stimme, eigenhändig der Vef die Ringe in den Ohren befestigte.

Sah recht elend aus, die Vef, und war mager und schmal geworden. Hatte die stolze, sieghafte Haltung völlig eingebüßt und zog ... wie im Schmerze ... die Schultern ein. Die blonde Haarkrone, die noch immer in üppiger Fülle prangte, drückte schwer auf das leidende Gesicht, und müde und mit leerem Blick schauten die hellen großen Augen.

Das war also die Vef ... seine Vef ... die er im hohen Zorn gezüchtigt hatte. Jetzt reute es ihn, da er sie so elend sah, und er schämte sich, daß er jemals die Hand gegen sie erhoben hatte.

Ob sie ihm wohl noch böse war, die Vef?

Ganz scheu verkroch sich der Wastl in eine Ecke des Lokales. Es war ein gemütlicher, nicht sehr großer Raum, und die Gäste wurden von einer einzigen Kellnerin bedient. Dick lag der Tabaksqualm über dem rauchgeschwärzten Getäfel der Stube, und matt leuchteten die Lampen, die von der Überdecke herabhingen. Große und kleinere runde Tische standen umher, und grellrote Vorhänge verdeckten die Fensterscheiben und wehrten den Ausblick auf die schmale Gasse.

Es gab guten Wein hier drinnen, echten Traminer und Kaltererseewein, und das Lokal war besser als jene Wirtschaften, in denen der Wastl für gewöhnlich zu verkehren pflegte.

Mit einem Kameraden war der Wastl hierhergekommen, und die Vef hatte ihn nicht bemerkt. Unverwandt starrte der Wastl zu der Fensternische hinüber, wo die Vef saß und spielte.