»Du ... wird's bald? Ha? Freigebig bist ja grad' aa nit!« sagte er ärgerlich.
Da zog der Wastl, ohne auf die Vef zu schauen, schwerfällig und umständlich seine Geldbörse aus der Tasche und entnahm derselben ein großes Geldstück Das größte, das er finden konnte. Und er legte es auf den Teller der Vef, und seine Hand zitterte stark.
Klirrend rollte das Stück auf dem Teller umher, so daß es beinahe zu Boden gefallen wäre. Die Vef beugte sich nach vorn, um es zu fangen, und der Wastl starrte hilflos und erschrocken zu ihr empor. Da begegneten sich ihre Augen zum ersten Male wieder.
Ein Zittern und Beben ging durch den Körper der Frau und ein tiefes Erschrecken, und klirrend brach der Teller, den sie fallen ließ, in viele Scherben ...
Sie hatten kein Wort miteinander gewechselt, der Wastl und die Vef. Nicht an jenem Abend und nicht an den Abenden, die diesem einen folgten.
Der Wastl fehlte nun nie mehr in dieser Weinschenke. Kam und lauschte voll stiller Andacht der Stimme seiner Frau und blieb immer nüchtern. Und wenn sie Geld einsammelte, dann hatte er das größte Stück, das er besaß, für sie bereit. Und mit abgewendetem Gesichte stand die Vef da und dankte ihm mit keinem Wort und keinem Blick. Und war doch innerlich froh, daß der Wastl in ihrer Nähe weilte, fühlte sich geborgen und von seiner Treue behütet; denn sie wußte, der würde, wenn es zum letzten kam mit ihr, sie nicht verlassen.
Der Wastl aber konnte den Mut nicht finden, sich seiner Frau zu nähern. Er litt nur immer unter der einen Vorstellung, daß er die Frau einmal gezüchtigt hatte, roh und brutal, und schämte sich dessen.
Das dauerte Wochen hindurch, und die Vef spielte und sang unermüdlich und an jedem Abend.
Und einmal kam ein Fremder in die Schenke. Ein reisender Handwerker, der vom Ausland in die Stadt gekommen war. Der Wein mundete ihm vorzüglich, und er trank mehr, als ihm gut tat. Er hörte die Lieder der Vef und hörte das Spiel der Zither, und alles war ihm ungewohnt und gefiel ihm ausnehmend wohl. Und da er viel Geld bei sich hatte und sich einen recht vergnügten Abend machen wollte, warf er es der Vef achtlos und in reichlicher Menge zu und hieß sie im herrischen Ton weitersingen, als sie zur gewohnten Stunde Schluß machen wollte.
»Sing' ... Alte!« rief er aufgeregt und polternd. »Sing'! Ich will's!« Und abermals warf er ihr Geld zu ... brutal ... wie man einem Tier einen Brocken Fleisch zuwirft.