Das ärgerte die Frau, und sie schob das Geld, ohne es zu berühren, beiseite und packte ruhig und schweigend ihre Zither ein.

»Willst nicht ... was?« rief der Fremde dröhnend und schaukelte sich auf seinem Sessel herausfordernd hin und her. Er war ein Mann in mittleren Jahren, klein und schwammig, und sein kahler Kopf glühte brennrot vom ungewohnten Weingenuß. »Da ... noch mehr?« Und abermals flog ein Geldstück zur Vef hinüber, die es nicht beachtete.

»Hast wohl den Liebsten daheim? Wie?« gröhlte er zynisch.

Zornig schaute die Frau auf. Dann nahm sie schweigend ihren Hut und Mantel und wollte an dem Fremden vorüber der Türe zu gehen. Der Fremde stellte sich ihr mit seinem Stuhl in den Weg.

»Na ... wart' nur!« rief er polternd. »Erst will ich dich mal richtig besehen ...« Er streckte ihr unversehens die Beine entgegen, so daß die Vef zu stolpern kam und ihm, das Gleichgewicht verlierend, im Arme lag. Der Fremde wieherte laut und trunken.

»Ha! Ha! Ha! Ha! So eine biste! So leicht machst du's einem?« gröhlte er. »Na ... was kostet die Nacht, Schätzchen?«

Sie waren schon alle aufmerksam geworden auf die beiden, und eine lautlose Stille war entstanden, so daß man jedes Wort deutlich vernehmen konnte.

Und viele kicherten dann und stießen sich an, und wieder andere munterten den Fremden zu weiteren Dreistigkeiten auf.

Eine fahle Blässe, die man trotz der Schminke sehen konnte, überzog das Gesicht der Vef. Ihr alter Stolz erwachte. Beschimpfen, sich öffentlich zur Dirne stempeln lassen, das ließ sie sich denn doch nicht bieten. Und mit einem Anflug ihrer alten ehemaligen Energie hieb sie dem Fremden eine so kräftige Ohrfeige herunter, daß es laut schallte.

»Auslassen!« fauchte sie zornig gleich einer Wildkatze. »Auslassen!«