»'ne Dirne ist's!« schrie der andere zornig. »Sieht ja 'n jeder!«

Da packte ihn der Wastl am Halse und preßte ihm die Kehle zusammen. Hatte Kräfte, der Mann, und ließ nicht los von seinem Opfer. Sie schrien und riefen um Hilfe und wollten ihn gewaltsam von dem Fremden trennen. Aber der Wastl war stärker in seiner rasenden Wut wie sie alle. Hatte sich auf die Brust des unter ihm Liegenden gekniet und würgte ihn.

Als sie endlich über den Wastl Herr geworden waren, lag der Fremde blaurot im Gesicht am Boden ... mit stieren Augen und war tot.

Und aufgebracht und schreiend lieferten sie den Wastl, der zum Mörder geworden war, der strafenden Gerechtigkeit aus.

Die Vef schlich unbeachtet, müde und gebrochen in das Dunkel der Nacht hinaus. Schlich wie eine Verbrecherin durch die nur spärlich erleuchteten Bogengänge der Altstadt, durchwanderte die kleinen Gassen und Gäßchen, bis sie auf Umwegen zu dem breiten Fluß kam.

Dort stand sie lange und starrte auf die schwarzen Wasser des Inns. Und dräuend baute sich am andern Ufer in dem Dunkel der Nacht die Bergwand der Nordkette auf.

Weshalb noch weiter leben? Wozu?

Wenn sie doch den Mut zum Ende fände? Schwer und dumpf schlugen die Glocken vom nahen Pfarrturm die frühe Morgenstunde.

Und langsam und ganz allmählich lichtete sich das schwere Wolkengebälk, das den Himmel verdeckte, und wurde grau. Grau und freudlos.

Und ein kalter Wind wehte die welken Blätter eines frühen Herbstes von den Bäumen herab, daß sie leise raschelnd zur Erde fielen.