»Dort ... siegst ... die Frau ...« sagte sie stockend und wies mit matter Hand in die Richtung des Fensters, durch das der helle Schein der späten Nachmittagssonne fiel. »Siegst ... Anderl ... wie schön ... und ... leuchtet ... voll ... Gold ... und ... Sonn' ...«

Und dann starb die Vef. Ließ den Kopf wie wohlig ermattet auf das Kissen ihres Bettes zurücksinken ... seufzte und lächelte. Hatte noch einmal ihre Königin sehen dürfen, die Perlmoser Vef ... strahlend und gewaltig und voll Gold ...

Andreas Siegwein, der Priester, aber hatte, nachdem die Vef gestorben war, noch eine Pflicht zu erfüllen.

Als der Kramer Veit von dem Unglück hörte, das den Wastl zum Mörder hatte werden lassen, da war er in den Pflegesohn gedrungen. Hatte ihn gehen heißen, um dem Wastl beizustehen.

»Anderl ... geh' und sag's ihnen ... wie's gangen ist mit'n Wastl!« hatte er ihn gebeten. »Ist ja do alleweil a braver Mensch g'wesen. Mußt'n beistehen ... dem Wastl.« Die Stimme des alten Mannes, der nun zum Greise geworden war, bebte vor innerer Erregung.

Daß das hatte kommen müssen ... Dazu hatte kommen müssen ... Wie ein Unglück war es dem Kramer, das ihn selber betroffen hatte.

Und keinen wärmeren Fürsprecher hätte der Wastl finden können wie diesen jungen Priester. Vor den Richtern des Volkes, die zu Gericht saßen über den Sebastian Hagspiel, sprach Andreas Siegwein und schilderte den Mann, wie er ihn kannte. Schilderte seine Treue und große Liebe zu seinem Weibe und schilderte sein Glück und Unglück. Und die Richter verhängten die mildeste Strafe über den Wastl, die nur zulässig war.

Und war doch eine jahrelange Zuchthausstrafe und hat den Mann an Seele und Leib gebrochen. Trotzdem er schon nach wenigen Jahren begnadigt wurde, kam er als ein kranker Mann in das Siechenhaus seines Heimatstales zurück.

Oft hatte Andreas Siegwein, der Priester, den Gefangenen aufgesucht. Hatte ihn getröstet und zur Reue ermahnt. Aber die Reue für seine Tat fehlte dem Wastl.

»Gib dir koa Müh' nit, Anderl ...« hatte der Wastl immer wieder erklärt, ruhig und schwerfällig, wie es seine Art war. »I tat's no amal. Und i hab's tun müassen. 's ist gleich iatz!« fügte er dann traurig hinzu.