Daß die Vef schon bald nach jener Tat gestorben war, das hatte der Priester dem Wastl erzählt. Und ruhig und sehr gefaßt hatte ihm der Mann zugehört. Es war, als empfände er den Tod seiner Frau wie eine Erlösung. Er sprach nie über sie und war überhaupt noch schweigsamer wie zuvor. Stierte nur immer so vor sich hin und redete und deutete nichts.

Andreas Siegwein, der Priester, tat alles, was in seinen Kräften stand, um dem Wastl zu helfen. Seinen Bemühungen war es in erster Linie zu verdanken, daß der Wastl anläßlich einer Amnestie schon nach wenigen Jahren wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.

Und dann brachte er ihn in das Siechenhaus, das gleichzeitig auch als Versorgungshaus diente und in dem großen, stattlichen Dorf im Tal gelegen war. Das geschah auf ausdrücklichen Wunsch des Wastls. Denn er wollte wohl in seine Heimat zurück, jedoch nicht im Dörfl selber leben, aus Rücksicht für seine Söhne. Seine Buben, das war noch der letzte Stolz und die letzte Liebe, die dem Wastl geblieben war.

Wenn der Wastl den Priester von seinen Söhnen erzählen hörte, so lauschte er, ohne ihn zu unterbrechen und beinahe andachtsvoll zu. Er sah sie im Geiste vor sich, die drei Buben, obwohl er sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte ... sah, wie sie groß und schlank und biegsam und so blond waren, wie es die Vef gewesen war. Und mußten der Mutter ähnlich schauen, die drei. Es konnte doch auch gar nicht anders sein, als daß sie brave, tüchtige und brauchbare Menschen geworden waren, die Buben. Ein Leuchten verklärte das welkgewordene Gesicht des Mannes, so oft er an seine Söhne dachte.

Andreas Siegwein aber verschwieg es dem Wastl, und er hatte es auch der Vef verschwiegen, daß mit den Buben viel Sorge in das Haus des Kramer Veit eingezogen war. Der Martl, welcher der älteste von den dreien war, der wäre schon recht gewesen. War ganz nach der Art seines Vaters geraten. Fleißig und arbeitsam und auch etwas langsam und schwerfällig von Begriff. Ein Bauer durch und durch, der nichts Schöneres kannte, als in Gottes herrlicher Natur zu schaffen und zu ackern.

Aber die beiden jüngeren Söhne des Wastl und der Vef ... mit diesen hatten die alten Kramersleute sich ihr liebes Kreuz eingetan. Hatten große Rosinen im Kopf, die beiden, und dünkten sich zu gut, um Bauern zu werden. Natürlich, sie hatten ja auch schon einige Jahre hindurch eine gute Schule besucht und wären von Rechts wegen dazu bestimmt gewesen, einmal gebildete Herren zu werden. Daß man sie dann, als sich die Eltern nicht mehr um sie bekümmert hatten, einfach der Heimatsgemeinde zustellte, das erfüllte die beiden halbwüchsigen Burschen mit Empörung.

Ein wilder Haß gegen die Eltern keimte in den jungen Seelen und vergiftete sie. Man hatte sie willkürlich aus ihrem Erdreich verpflanzt, und kaum hatten sie anderswo Wurzel gefaßt und sich ihrer veränderten Lage angepaßt, hatte man sie abermals rauh in eine neue Umwelt versetzt, ohne Rücksicht auf ihre Gefühle und ihren Geschmack.

Nun sollten sie wieder Bauern werden, jenem Stand angehören, den die Kameraden in der Schule verlacht hatten, so daß sie sich gar oftmals darob schämten. Kein Wunder, daß Haß und Groll gegen die Erzeuger ihres Lebens in ihnen wucherte, und kein Wunder, daß sie nur wenig Dank fanden für die Wohltaten der alten Kramersleute.

Sie waren von Haus aus liebe, gutherzige Burschen und wollten dem Veit und seiner Notburg nicht wehe tun. Sie gaben sich auch Mühe, den alten Leuten zu gefallen, und verletzten sie nie durch eine grobe Rede.

Aber sowohl Veit Galler wie die alte Mutter Notburg merkten es gar bald, wie es in den Herzen der beiden jungen Leute aussah. Sie mochten nicht arbeiten, nicht Knechtesdienste leisten. Hockten mürrisch herum und fühlten sich überall überflüssig.