Da brachte Veit Galler, der Krämer, sie vom Dörfl fort, hinunter ins Tal und zu einem Handwerker in die Lehre. Sollten ordentliche Arbeitsleute werden, wenn die Bauerschaft sie nicht freute. Und hatten trotzdem und zu jeder Zeit eine Heimat droben beim Kramer Veit.

Es tat aber auch das auf die Dauer kein gut. Die beiden wechselten den Meister und wechselten das Handwerk, und nichts wollte ihnen so recht gefallen. Bis das Unglück mit dem Vater kam und er zum Mörder wurde. Da zogen sie beide fort, wurden Sänger, wie es die Eltern gewesen waren, und reisten in fremden Landen herum. Und kamen dann wieder in die Heimat zurück und zogen abermals fort. Fahrende Leute ... ohne Rast und ohne Liebe zur Scholle.

Umsonst war die Fürsorge der Mutter Notburg, umsonst die Warnungen des alten Kramers. Der Lois, der ältere der beiden, blieb schließlich ganz fern. Das Predigen der alten Leute hatte er satt. Endlich war er ja alt genug, um sich das Leben nach seinem Geschmack einzurichten.

Der Michl aber war doch anhänglicher. Der blieb oft viele Monate hindurch daheim und versuchte es, so zu leben, wie es die Pflegeeltern von ihm wünschten. Dauerte aber nicht lange, das Bravsein, trotz aller guten Vorsätze. Und wenn er sich's noch so fest vornahm, seinem Bruder Martl bei der Arbeit zu helfen, so hielt er es nie länger als etliche Stunden draußen am Felde aus. Da brannte die Sonne so heiß und stach ihn und verursachte ihm Durst. Und oben in dem großen Alpenhotel, das einmal den Siegweins gehört hatte, da lockte die Freude, und da lockte der Genuß.

Und der Michl war bald mehr droben wie herunten in der Villa vom Kramer Veit. War ein gern gesehener Gast oben, ein guter Sänger, liebenswert und dazu noch bildhübsch. Hatte die Augen seiner Mutter, so strahlend und froh und voll Jugendmut und auch voll Leichtsinn. Und dieser Leichtsinn brachte ihm Verderben.

Ein paarmal schon hatte ihm der Kramer Veit aus einer bösen Sache herausgeholfen. Hatte Schulden für ihn bezahlt, die er leichtsinnig gemacht hatte, und hatte dann ernst mit dem Michl geredet.

»Bua ... auf die Weis' geht's nit. Das tut a Lump und koa ordentliches Mannsbild. Arbeit' oder geh' auf Reisen ... aber Schulden machen ... das leid' i nit!« hatte der Kramer in sehr bestimmtem Ton erklärt. War ein arges Kreuz für den alten Mann, der Michl.

Man konnte ihm nicht feind sein, dem Burschen; und wenn der Veit kein Geld mehr hergab, dann hatte halt doch die Mutter Notburg immer noch einen Groschen für den Pflegesohn. Und steckte es ihm heimlich zu.

»Aber g'wiß 's allerallerletzte Mal!« sagte dann die alte Frau schwer seufzend.

War ein recht geducktes, schlohweißes Mutterl jetzt, die Notburg, und fiel ihr schwer, etwas hinter dem Rücken ihres Mannes zu tun. Aber der Bursch erbarmte ihr halt gar zu sehr. Hatte nie Mutterliebe gekannt, der Häuter, und wär' doch so liebebedürftig gewesen. Und wie er schmeicheln konnte und so zart und weich und schön mit ihr tat. Immer wieder glaubte ihm die Notburg, wenn er ihr Besserung versprach und alle heiligen Eide schwor.