Er wollte das Wort nicht zu Ende denken. Durst hatte er, nur Durst und keinen Hunger mehr.

Trinken ... nur trinken ...

Mißtrauisch und argwöhnisch und sehr von oben herab besah sich die Kellnerin den alten, geduckten Mann in den ärmlichen Kleidern, ehe sie seinen Auftrag entgegennahm. Ob der wohl zahlen konnte? Und als sie ihm dann doch mit herablassender Miene die Halbe Rotwein hinstellte, da forderte sie ihm gleich das Geld dafür ab.

Der Wastl zahlte gelassen und gab ein nobles Trinkgeld. Und trank. Saß allein in der großen Glasveranda an einem blühweiß gedeckten Tische und trank. Trank ... wie ein Verdurstender und stierte hinaus in die einfallende Dämmerung des Herbstabends. Sah mit matten, verschwommenen Blicken die dunklen Wälder jenseits der drei Hochtäler, sah, wie sie sich schwarz und düster und gewaltig aufbauten, und hörte das majestätische Rauschen des nun einsetzenden Abendwindes. Er kam von drüben her ... dort, wo schon ganz im grauen Dämmer die Gungl lag.

Und der Wastl trank ... trank und bezahlte gewissenhaft und sehr ruhig alles, was man von ihm forderte. Bis er kein Geld mehr hatte und man ihn gehen hieß.

Er wollte aber nicht gehen, der Wastl, wollte hier sitzen und noch mehr trinken. Und noch einmal hieß man ihn gehen, und der Hausknecht kam und stand in nächster Nähe des Wirtes, bereit, den lästigen Gast an die Luft zu befördern.

Es war ziemlich leer in dem großen Gasthof; denn Zeit und Stunde waren spät. Die wenigen, die noch vereinzelt herumsaßen, machten empörte und angewiderte Gesichter. Den Wirt packte der Zorn, als ihm der Wastl so hartnäckigen Widerstand entgegenstellte. Gereizt wendete er sich an die Kellnerin.

»Und überhaupt ... solches Gesindel gehört doch nicht hier herein!« sagte er scharf. »Das hätten Sie wissen müssen!«

»Gesindel!« Heiß stieg dem Wastl der Schimpf ins Gesicht und ernüchterte ihn etwas. »Gesindel!« Er ... der Wastl ... ein Bauer ... einer, der ins Tal herein gehörte ... hier aufgewachsen war und kein Fremder!

»Gesindel!« Schwerfällig und trunken griff der alte Mann nach seinem Stock, um ihn dem fremden Wirt ins Gesicht zu schlagen. Die Bewegung wirkte komisch, so daß die Kellnerin und auch der Wirt unwillkürlich lachen mußten, und ohne jede Mühe entledigte sich der Hausknecht seines Amtes. Schob den Wastl, wie der Metzger ein widerspenstiges Kalb vor sich her schiebt, einfach zur Tür hinaus und verriegelte sie von innen. Und drinnen im Haus lachten sie über ihn ... roh und unbarmherzig. Lachten ihn aus, den Wastl ... er hörte ihr Lachen, wie es laut und höhnisch ihm nachklang.