»Gesindel!«

Wer war hier Gesindel? Er oder die da drinnen? Den Michl, seinen Jüngsten, hatte doch der Gendarm von hier herausgeholt, erzählte der Stanis. »Gesindel!«

In dunkler Nacht stand der Wastl vor dem großen Haus und hob drohend den Stock. »Gesindel!« wiederholte er leise und ingrimmig mit den Zähnen knirschend. »Gesindel!« Der da drinnen ... der Fremde ... der hatte kein Recht, ihn das zu heißen. Wußte nichts von ihm ... wußte nicht, daß er im Zuchthaus gesessen hatte ... wußte nicht, daß die Vef ...

Und wieder dachte der Wastl den Gedanken nicht zu Ende.

»Gesindel!« hatte der fremde Mann gesagt. »Gesindel!« Er kam nicht los von dem Wort und wiederholte es immer und immer wieder.

Langsam und scheu umschlich der Wastl in dunkler Nacht den großen Bau. Halb betrunken und halb wirbelig im Kopf. Denn nun mußte er wieder zu denken anfangen, der Wastl. Wie ein Mühlrad drehten sich die Gedanken in seinem Kopf.

Die Vef und der Stanis ... und der Michl ... den sie eingesperrt hatten ... und drunten im Dörfl der Martl ... der vielleicht auch schon ein Lump geworden war ... weil er der Versuchung nicht widerstehen konnte und immer in das feine Gasthaus ging ... Und Gesindel hatte der Mann, der nicht einmal ins Tal gehörte, zu ihm gesagt. Gesindel!

Er murmelte das Wort immer wieder vor sich hin. »Gesindel! Gesindel!« Und der Stanis ... der hatte gesagt, daß es eine Wohltat wäre für die ganze Gegend ... eine Wohltat ... wenn ...

War ein gescheuter Mensch, der Stanis. Aber feig! Feig ... weil er sich betrank und Räusche lieferte. Er, der Wastl, lieferte keine mehr. Nie mehr wollte er einen liefern. Nie mehr! War jetzt schon wieder ganz nüchtern, der Wastl ... nur der Kopf ... der war schwer und wirbelte ihm vom vielen Denken.

Der Wastl umkreiste das Haus und besah es sich von allen Seiten und schlich dann zum Nebenbau hinüber, zu dem Haus, das der Kramer Veit damals für den Florl erbaut hatte. Und umkreiste auch das, langsam und vorsichtig. War ihm gut bekannt ... das Haus. War oft drinnen gewesen ... damals noch, als die Vef lebte.