Sorgsam ... wie eine heilige Pflicht ... hegte der Wastl die Feuer an den großen Häusern, trug Holz herüber vom Schupfen und legte zu. Aber sie brauchten die künstliche Nahrung nicht mehr, sondern fanden von selbst ihr Futter, die Flammen. Züngelten gierig zum Dachstuhl empor und nach allem, was morsch und holzig war, und brannten lichterloh und brausend im Sturmwind.

Er hatte sein Werk gründlich besorgt, der Wastl so wie es immer seine Art gewesen war. Und durfte nun gehen und sich ausruhen.

Als sie im Hause das Feuer bemerkten, war es zu spät. Nur das Leben konnten die Bewohner retten und nur wenig von den Habseligkeiten. Ein Flammenmeer war es im rasenden Sturm, der sich dem Riesenbrand verbündet hatte. Weithin leuchtete der Feuerschein, die dunkle Nacht erhellend. Und es krachte und zischte und brauste, und eine ganze feurige Hölle der Vernichtung war entfesselt. Menschliche Hilfe? ... Umsonst! Retten, löschen? ... Wer vermochte es, den sturmgepeitschten Flammen Einhalt zu tun? ... Wehklagend klangen die Glocken im Dörfl drunten und riefen um Hilfe. Sie riefen vergebens ... Die entfesselten Elemente waren Herr ... Sturm und Feuer ... und Feuer und Sturm ... beide verbrüdert und verschworen zur furchtbaren Vernichtung ...

Zu Schutt und Asche war alles niedergebrannt, was da droben stolz gethront hatte. Alles ausgebrannt, was nicht Stein und Mauer war. Stand dampfend und rauchend und qualmend ... Ruinen ...

Sie fanden am frühen Tag einen alten Mann. Der irrte umher in den Wiesen und Feldern, barhäuptig und mit schweren Füßen. Sein Gesicht war gelb und fahl und die dunkeln Augen leer und ohne Seele.

Und er wußte von nichts mehr, und wußte auch nicht mehr, wer er sei.

Der Wastl hatte den Verstand verloren.

Achtzehntes Kapitel

Ein neues Geschlecht war erstanden im Tal. Jene, die damals noch Kinder waren, als das Regele von Schande getrieben aus der Heimat flüchtete, waren gereifte Männer und hatten Familien gegründet, und etliche von ihnen lagen auch schon unter der Erde. Und alle waren sie tot, die guten Bekannten von einst. Der alte Perlmoser und der Söllerbauer und sein Weib, und auch die Julie, die dann Wirtin geworden war. Die Perlmoser Rosina aber blieb verschollen. War nie mehr in die Heimat zurückgekehrt. Und auch vom Lois, dem Sohn des Wastl, hatte man wenig mehr gehört.

Das Moidele, die das Kind der toten Mena war, wartete und pflegte die alten Kramersleute bis zuletzt. War gutmütig und nicht recht gescheut, aber dankbar und treu und anhänglich. Und die Regina war gestorben und die alte Mutter Notburg.