Jetzt schaute das Mädel zu ihm auf. Es war ein kurzer, flüchtiger Blick und doch voll von Vorwurf und tiefem Weh.
»Daß du grad so daherreden magst!« sagte sie dann unwirsch und wandte sich, ohne den Druck seiner Hand zu erwidern, von ihm ab und dem Hause zu.
Aber der Florl war so leicht nicht loszukriegen. Gewaltsam hielt er sie zurück. »Aber Feuerlen schaug'n gehst auf d' Nacht, gelt, Regerl?« flüsterte er innig. »Und das höchste Feuerl ... weißt, ganz droben ... du kennst ja 's Platzl ... dös ist's meinige. Und i zünd's für di an, Dirndl! Daß d' es woaßt.«
Nun konnte das Mädel doch nicht anders als lieb sein, und dankbar sah sie zu dem Burschen auf. Ihre blauen Augen leuchteten, und eine dunkle Röte übergoß das zarte, auffallend blasse Gesicht.
Der Florl drückte ihr noch rasch die Hand.
»Morgen auf die Nacht, Regerl ...« flüsterte er, und dann eilte er gewandt und geschmeidig wie eine Gemse dem Wastl nach, der schon einen tüchtigen Vorsprung gewonnen hatte.
»Sein das zwei Sakramenter!« schimpfte der Kramer Veit gutmütig mit lautpolternder Stimme. »So a Lungl, wie die haben! Und können nit amal warten auf unseroans! Ha, Regerl?« Freundlich hielt er dem kleinen, zierlichen Mädel seine mächtige Hand zum Abschied hin. »Und vergelt's Gott für'n Schnaps. Und wenn du aufs Dörfl ummikimmst .. a Bischkotenherz kriagst von mir aa!« lachte er laut und dröhnend.
Mit wuchtigen, weit ausholenden Schritten ging der Kramer Veit jetzt der Anhöhe des kleinen Bergtales zu.
Die Bäurin und die Kinder vor dem niedern braunen Holzhause sahen ihm nach, solange sie ihn sehen konnten. Dann, als die massige Gestalt des Mannes von der Anhöhe verschwunden war, kehrten sie ins Haus zurück.
Das Regele aber, mit dem Kind am Arm, blieb noch lange sinnend stehen. Sie achtete nicht darauf, daß das Kind unruhig wurde, sondern sah unverwandt in die Richtung, in der die beiden Burschen den Berg hinangestürmt waren.