Die Sonne leuchtete nur noch matt auf die höchsten Spitzen der Berge. Das stattliche Dorf draußen im Haupttal lag schon im Dämmerschein, und seine weißen Häuser sahen grau und düster aus.

Zweites Kapitel

Es dämmerte stark, als der Kramer Veit zum ersten Male seit langen Jahren sein Heimatsdörfl wiedersah.

Jenseits des kleinen Hochtales fiel der Berg steil ab, und tief drunten lag auf einem hügeligen Wiesenvorsprung ein winziges Dörflein. Wohl kaum ein Dutzend Häuser waren es, kleine, braune Holzhäuser, eng um die Kirche geschart, die keck ihren spitzen Turm gegen Himmel reckte.

Ganz der Sonne ausgesetzt, ohne Wald und mit nur wenigen Obstbäumen, lagerte das Dörfl auf steilem Wiesenabhang, hart am Ausgang eines Hochtales, das sich viele Stunden weit bis an die Gletscher erstreckte.

Tief unten im Tal, dort, wo der Wiesenabhang, auf dem das Dörfl war, aufhörte und steile Felsen eine Schlucht bildeten, brauste der Wildbach.

Drei Hochtäler mündeten hier mit ihren Wildbächen in enger Nachbarschaft und schluchtartig in das Haupttal ein. Zornig schlugen die Wellen an die Steine und Felsblöcke, die dem rasenden Lauf der Wasser hemmend entgegenstanden, und weißer Schaum sprühte jählings in die Höhe.

Smaragdgrün und sanft leuchtete der Fluß des Haupttales und lud die drei wildbrausenden Berggesellen ein, ihr Schicksal von nun ab seiner besseren, milderen Leitung anzuvertrauen.

Veit Galler, der Krämer, blieb, ehe er von der Anhöhe des Berges zu dem Dörfl herabstieg, überwältigt von dem Ausblick, der sich ihm bot, stehen.

Beinahe gespensterhaft baute sich die Gebirgswelt der drei Hochtäler in der Abenddämmerung auf.