Der Kramer Veit war früh verwaist, ein armes, aber fleißiges und aufgewecktes Bübl. Als der Metzger draußen von dem stattlichen Dorf mit den behaglichen, weißen Häusern und dem grünen, spitzen Kirchturm einmal ins Dörfl heraufkam, um nach Schlachtvieh Umschau zu halten, fand er Gefallen an dem Veit und nahm ihn mit zu sich in die Lehre.
Von diesem Metzger hatte der Veit das Wandern abgelernt, sagten die Leute. War ein unruhiges Blut, der Metzger, und hatte nirgends Rast. Wanderte immer im Lande herum und handelte mit Vieh. Kam bis ins Salzburgische und hinein nach Südtirol, und einmal war er sogar in Wien unten gewesen.
Als der Veit älter und verständiger geworden war, da nahm ihn der Metzger manchmal mit hinaus ins Land. Da mußte er das Vieh auftreiben zu den Jahrmärkten, die abgehalten wurden.
Dem Veit paßte das Viehtreiben auf die Dauer aber gar nicht, und auch der Metzgerei konnte er keinen Geschmack abgewinnen.
Resolut und mutig, wie er war, ergriff er die erste Gelegenheit, die sich ihm bot, und eröffnete einen Handel auf eigene Faust. Er hausierte mit Waren, handelte mit Schnaps, den die Bauern seiner Heimat im Herbst aus Obst und Beeren brannten, und er handelte mit feinem Wildleder, aus dem dann Handschuhe erzeugt wurden.
Der Veit hatte Glück mit seinem Handel und kam auch weit im Land herum und bis nach Deutschland hinaus. Bald hatte es der Veit so weit gebracht, daß er ein kleines Gütl in seinem Heimatsdörfl von einer alten Base übernehmen konnte.
Dann heiratete er die Notburg und richtete einen kleinen Kramladen im Dörfl ein.
Er und die Notburg hatten einander schon als Kinder gekannt. Hier oben, an der Stelle, an der er jetzt im Schnee saß und über sein Leben nachdachte, da hatten er und die Notburg gar oft gesessen, hatten miteinander geplaudert und gespielt und auch gesungen. Und die hohen Felswände der Berge jenseits des Baches gaben das Echo ihrer hellen Kinderstimmen wieder.
Ein Hüterbub war der Veit gewesen, und die Notburg war die Tochter einer Witwe, die sich bei den Bauern als Schneiderin verdingte.
Schon als Kind mußte die Notburg den Haushalt fast ganz allein besorgen. Ärmlich und klein genug war er ja. Eine windschiefe Hütte, baufällig und zerlattert, ein kleines Gärtchen davor und zwei Ziegen im Stall.