Auch den Kramladen hatte der Veit mit viel Umsicht und Geschick eingerichtet. So klein er war, so reichhaltig war sein Warenlager.
Da gab es Nägel und Hacken und Zwirn und Strickwolle, Kleiderstoffe und Stoffe für seidene und baumwollene Schürzen, Bänder und Tücher in allen Farben und Stoffe für Hemden und Unterröcke. Es gab Kaffee und Zucker, und ganze Stöße von Seife standen aufgeschichtet herum. Wohlriechende Seifen waren vorrätig und verlockten die Bäuerinnen zum Einkauf.
Ganze Reihen von Hosenriemen hingen von der niedern Bodendecke herab. Rosenkränze, aus bunten Glasperlen angefertigt, baumelten über der Ladenbudel. Es gab Soda und Öl, Bürsten und Besen, und der durchdringende Geruch von Erdöl schwängerte die Luft des winzigen Kramladens.
Kerzen aus Talg und Wachsstöcke in allen Größen lagerten in der Nähe der Eingangstüre, die mit einem kleinen Fensterchen versehen gleichzeitig als eine Art Auslagekasten diente. Pfeffer und Zimmet gab es und allerhand fremdartige Gewürze, mit denen die Bäuerinnen nur wenig anzufangen wußten.
Wenn sie Sonntags nach der Frühmesse zum Einkauf im Ladele waren, dann belehrte der Kramer Veit eine jede einzelne der Kundinnen über die Vorzüge der Gewürze und über deren Anwendung, und die Frauen kauften die Ware und waren stolz auf den Besitz; aber sie benutzten sie nie.
Auch Gebetbücher waren vorhanden, und farbige Heiligenbildchen, lose und in kleinen Rahmen, hingen in der Nähe der Türe. Blechlöffel, Schüsseln aus Blech und Schüsseln aus Holz, Krüge und Töpfe und buntfarbige Schalen standen aufgestapelt am Fußboden umher.
Weiße Zuckerröhrchen und grellrote Zuckerpfeifchen, auf denen man einen richtigen schrillen Pfiff loslassen konnte, waren für die Kinderwelt bestimmt. Herrliche Lebkuchen und bunte Zuckerln und ganz hervorragend gute Biskotenherzen bildeten das Entzücken der bäuerlichen Jugend.
Auf rein gar nichts hatte der Kramer Veit vergessen, und mit allen Bedürfnissen der Zeit hatte er sein kleines Lager versehen.
Von Zeit zu Zeit nahm der Veit seine Kraxe, belud sie schwer mit Käselaiben und trug sie hinaus ins Inntal und bis hinauf nach Innsbruck. Dort veräußerte er den Käs und füllte die Kraxe mit neuer Ware für seinen Kramladen.
Die Notburg hantierte im Haus herum, pflegte die Blumen am neuen Söller, pflegte das kleine Gartl am Haus, versorgte den Laden und nähte in ihren freien Stunden Wäsche und Schürzen und Unterröcke zum fertigen Verkauf.