Es war alles Glück und stiller Frieden in dem kleinen Häusl am Kirchplatz. Der Veit und die Notburg hausten gut miteinander, und sie schienen nur eines für das andere zu leben. Und trotzdem konnte die Notburg innerlich nie so ganz froh werden. Eine geheime Sorge nagte an ihr und trübte ihren Blick. Das war die Angst um ihren Mann, die sie oft plötzlich überfiel und sie ruhelos und schlaflos machte.
Die Notburg fühlte es, noch ehe der Veit es selber so recht wußte, daß ihn die Heimat anfing zu drücken und zu beengen. Und sie wußte: über kurz oder lang würde es den Mann hier nicht mehr leiden, und er würde fortziehen von ihr in eine Welt, die ihrem Sinne fremd war.
In ihrer bangenden Sorge fühlte sie deutlicher, wie er selber das tat, das erste Wiedererwachen seiner Unrast.
Oft saß das junge Weib in einer der vielen schlaflosen Nächte aufrecht in ihrem Bett und beobachtete bei dem fahlen Schein des Mondlichtes, das in die enge Kammer fiel, mit ängstlicher Spannung jeden Zug in dem Gesicht ihres Mannes, der an ihrer Seite schlummerte. Und angstvoll sah sie die Unruhe in seinem Gesicht, hörte sie das schwere Atmen der starken Brust und das rastlose Herumwälzen im Bette.
Sie sah, wie sich die kräftigen Hände zu Fäusten ballten und wie die Glieder sich wie im Krampfe dehnten und reckten.
Und bei Tage sah ihr scharf beobachtender Blick, wie das Gesicht des Mannes allmählich den Ausdruck sonnigen Glückes einbüßte, wie es von Tag zu Tag finsterer und mürrischer wurde, und wie der Veit übellaunig und wortkarg zu werden begann.
Und die Notburg wußte es mit Bestimmtheit: dies waren die Anzeichen seiner neu erwachenden Unstetheit, und in heißer Angst betete sie zur Schmerzensmutter am Seitenaltar der kleinen Dorfkirche mit aller Inbrunst, deren sie fähig war ...
»Laß mir den Veit, Gottesmutter! Laß ihn nit fortziehen von mir! Laß mich ein Kind haben, Muttergottes, dann bleibt er lieber bei mir!«
Denn das war der Schatten in der Ehe des jungen Paares. Jahr um Jahr war vergangen, aber der Kindersegen war ihnen versagt geblieben.
Die Notburg hätte sich mit der Kinderlosigkeit weit eher abgefunden. Ihr war der Veit alles; aber sie wußte, daß ihr Mann die Kinder liebte. Und hätten sie nur ein Kind ihr eigen nennen dürfen, wer weiß, ob nicht doch alles anders für sie gekommen wäre.