Eine Bachstelze hüpfte über den Weg. Zierlich und äußerst vorsichtig hüpfte sie von Zaun zu Zaun. Drehte das Köpfchen nach rechts und drehte es dann nach links, als schüttelte sie unwillig ihr Haupt über solche Art von Schnee und Frühlingslust.
Ein paar Spatzen hatten sich inmitten der kleinen Talstraße niedergelassen und suchten in dem Schnee nach Körnern. Sie fanden auch Futter in den Spuren eines Pferdehaufens, der noch dampfte.
Auf den Höhen der Berge jagte der Wind die grauen Wolken auseinander, trieb sie in rasendem Lauf vor sich her und öffnete der Sonne einen Spalt, so daß ihr warmer Strahl tröstend die vielen traurigen Frühlingskinder küssen konnte.
Wie doch so ein Sonnenstrahl mit einem Male alle Unbill vergessen machte! Ein Aufatmen durchwehte die Natur. Bachstelzchen reckte, so hoch es konnte, sein zierliches Köpfchen der Sonne entgegen, neugierig und mißtrauisch zugleich, als wollte es nicht daran glauben, daß seine mächtige Freundin nun tatsächlich über Kälte und Schnee Siegerin bleiben werde. Es plusterte sein Gefieder und wetzte das Schnäbelchen an dem Holzzaun, auf dem es saß. Zu beiden Seiten schloß der Zaun die kleine Talstraße von den Feldern ab.
Bachstelzchen sah neugierig und mit klugen Äuglein beobachtend umher und gewahrte, daß der Schnee, der auf dem Zaune lag, zu glitzern anfing und unter der milden Macht der Sonne sich langsam löste. Da ließ Bachstelzchen einen frohen jubelnden Triller ertönen und flog davon, hinauf zu den hohen Wipfeln der Obstbäume, und erzählte diesen, daß sie nun nicht mehr zu bangen brauchten um den bräutlichen Schmuck.
Ein stämmiger, groß gewachsener Mann ging mit weit ausholenden Schritten die Straße entlang. Wuchtig, eilig und selbstbewußt. Er sah weder nach rechts noch nach links, als er das Dorf durchschritt, und nickte nur flüchtig dankend für den Gruß, den man ihm bot.
Eine Gruppe von kleineren Kindern sah ihm nach. Etwas schüchtern und verwundert; denn er war ihnen fremd. Sah auch nicht aus, als ob er aus der hiesigen Gegend stammte; denn seine Kleidung war kein Bauerngewand. Und doch wieder schien es, nach der sicheren Art seines Ganges zu urteilen, daß er ein Kind der Berge war und auch hierher gehören mußte.
Außerhalb des Dorfes zweigte ein Seitenweg von der kleinen Talstraße ab. Führte im schmalen Pfad zwischen Felsen hindurch und zu einem steilen Bergwald empor.
Ein langsam feierliches Rauschen, an den vollen Ton einer Orgel gemahnend, durchbrauste den mächtigen Dom des Hochwalds. So feierlich und weihevoll war es, daß der stämmige Mann unwillkürlich lauschend und in fast andächtiger Haltung stehen blieb.
Ein seliges Lächeln verschönte einen Augenblick lang das derbe Gesicht und verlieh ihm schier einen knabenhaften Ausdruck. Aufatmend nahm der Mann den dunklen Filzhut von dem Kopf, zog ein großes, farbiges Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sich, vom raschen Gehen erhitzt, den Schweiß aus der Stirne.