Der Veit hielt Wort. Als sich die ersten Anzeichen des erwachenden Frühlings zeigten, kam er zurück, frisch und fröhlich wie in den ersten Jahren ihrer Ehe und laut polternd vor Freude über das Wiedersehen mit der Notburg.
Aber die Frau war eine andere geworden. Ruhig und schier gleichgültig empfing sie ihn und zeigte keine Freude. Sie hatte auch keine Freude über das Geld, das er ihr brachte und mit strahlendem Gesicht ihr vorzählte. Was war ihr das Geld, nachdem sie ihr Glück dafür hatte hergeben müssen?
Es war etwas geborsten in der Seele des Weibes. Was weich und hingebend in ihr gewesen war, das war in den Stunden einsamer Sehnsucht allmählich erstorben. Und die innere Kälte der Frau war so groß, daß es den Veit zu frieren anfing in ihrer Gegenwart.
Als der Veit das zweite Mal auf die Wanderschaft ging, fiel ihm der Abschied leicht. Er war froh, daß er das stille, kalte Gesicht seiner Frau nicht mehr zu schauen brauchte, das eine fortwährende Anklage für ihn war.
Und der Veit blieb länger und immer länger von der Heimat fern. Bis er dann gar nach Amerika gegangen war und im Dörfl als verschollen galt.
Doch immer, wenn der Mann im fremden Lande weilte, verblaßte das Bild seiner Frau mit dem kalten, reglosen Gesicht, und die Notburg seiner Jugend erstand ihm aufs neue. Ihr liebes, sanftes Gesichtchen und ihr hingebendes Wesen war ihm stets gegenwärtig, und der starke Mann, der im rücksichtslosesten Kampf ums Dasein stand, bangte sich nach ihr und sehnte sich nach einem guten Wort aus ihrem Munde.
Durch die räumliche Trennung war ihm sein Weib innerlich viel näher gekommen; er vergaß ihre harte Art und entschuldigte sie.
Er begriff die Schwere ihres Schicksals und nahm sich vor, wieder den Weg zu ihr zurückzufinden. Bis er dann wieder bei ihr war. Da jagte ihn ihre abweisende Kälte förmlich von der Heimat fort.
Kein gutes, verzeihendes Wort, kein warmer Blick ... Die Notburg war grausam geworden zu dem Manne, der stets aufs neue wieder bei ihr seine Heimat suchte ...
Ein dumpfes, schweres Stöhnen rang sich aus der Brust des einsamen Mannes.