Grausam! Hatte er ein Recht, sein Weib grausam zu schelten? Hatte er nicht auf die grausamste Art das Lebensglück der Frau vernichtet?
Veit Galler fühlte die Schwere seiner Schuld, und doch ... er bereute nichts.
Dem innersten Trieb seiner Natur war er gefolgt. Der Mann mit dem festen, unbeugsamen Willen gehörte in die Welt hinaus. Dort hatte er seine Kraft stählen können und hatte es zu etwas gebracht.
Es war ihm nicht immer leicht geworden in der großen Welt da draußen, dem Veit Galler. Das Leben hatte ihn gar oftmals hart angefaßt; aber mit zäher Energie und einem eisernen Willen war er stets Sieger im Kampf geblieben.
Und war ein reicher Mann geworden ...
Wohl kaum einer im ganzen Tale konnte solchen Reichtum aufweisen. Und das Bewußtsein des erworbenen Besitzes machte den Veit stolz und selbstbewußt und half ihm immer wieder über die trüben Stunden hinweg, die auch ihn nicht verschonten.
Der Veit wußte es wohl. All sein Reichtum machte auf die Notburg nur geringen Eindruck. Mit kalten, gleichgültigen Augen wird sie auch heute wieder auf das Gold schauen, das er ihr mitgebracht hatte und das er jetzt spielend in den weiten Taschen seines Rockes klirren ließ.
Der Mond stand nun in seiner kaltsilbrigen Pracht am Firmament, und viele Tausende von Sternen glitzerten und funkelten am Himmel. Die Bergfeuer der Karsamstagsnacht flammten zu Hunderten im Tal und an den Bergen, die mit Lichtern besät bis hoch an den Rand der Almweiden waren.
Veit Galler, der Krämer, genoß die stille Feier, und es kam ihm beinahe vor, als hätte sich die Heimat heute für ihn geschmückt.
Wie im leichten Silbernebel lagen die drei Hochtäler im Mondenschein. Die schneeigen Bergkonturen erstanden traumhaft schön wie in einem Feenland.