Bei jedem Schritt, den man da tat, zitterte und krachte das morsche Holz. Die Brücke schwankte und bog sich, als wollte sie zusammenbrechen. Man mußte schon ganz schwindelfrei sein, um den engen Steg, der kaum Raum für eine Person bot, zu überqueren.

Bogenförmig überspannte die Brücke den Bergbach. Ein kleines, niedriges Geländer zu beiden Seiten sollte Schutz gewähren gegen einen Fall in die Tiefe. Wohl an die fünfzig Meter ging es hier in den Abgrund, und brausend tobte der Wildbach in der engen Bergschlucht.

Dieser Steg war der Teufelssteg, und ältere Leute mieden ihn in abergläubischer Furcht. Nur jene benutzten ihn, welche die Bergmahd jenseits des Baches zu mähen hatten, oder jene, welche den Weg kürzen wollten, der zum Nachbarhochtal führte. Die meisten Leute aber gingen den allgemein üblichen Talweg, wenn er auch zumindest um eine Stunde länger war.

»Weil's soviel schiach ist über'n Teufelssteg ...« sagten sie. »Und man kann's doch nit wissen, ob nit amal a Unglück g'schiecht.«

Vor etlichen Jahren war hier auch ein Unglück geschehen, und seither mied man den Steg noch mehr wie zuvor.

Das war, als die Philomena Abfalter hier ihrem Leben ein Ende gemacht hatte.

Die Mena ... An die Mena mußte das Regele jetzt lebhaft denken, wie sie inmitten des leicht schaukelnden Steges stand und in das tobende Wasser tief drunten schaute.

Ob es bei der Mena wohl auch so gegangen war wie bei ihr?

Das Regele erinnerte sich noch deutlich an die Mena. Ein dickes, dralles, junges Ding, mit hochroten Backen und lustigen, dunklen Augen. Und hatte ein Kind gehabt, die Mena.

Das Regele erinnerte sich noch, als ob es gestern gewesen wäre. An einem Sonntagmorgen war es gewesen vor der Frühmesse. Da hatte die Mena vor der Kirchentüre knien müssen, einen Strohkranz auf dem Kopf, und hatte nicht hinein dürfen in das Gotteshaus, bis der Priester kam und sie aussegnete. Dann erst war die Schuld von ihr genommen und sie würdig befunden worden, den heiligen Raum zu betreten.