Mochte das bleiche Gesicht der toten Mena auch locken da unten. Das Regele würde ihr nicht folgen. Das vorhin war nur so eine Anwandlung gewesen. Gott sei Dank ... das war nun glücklich überstanden.

Von abergläubischer Furcht gepackt, flüchtete das Mädel jetzt von der schmalen Brücke fort und achtete in ihrer Angst gar nicht, daß der Steg in allen Fugen ächzte und krachte und sich heftig schaukelnd bog.

Nur fort ... fort von da! Es war doch nicht ganz geheuer mit dem Teufelssteg ... Bei einem Haar, und sie hätte sich in den Abgrund gestürzt. Und das Gesicht der toten Mena hatte sie ganz deutlich aus dem Wasser aufsteigen sehen ...

Zitternd vor Kälte und Aufregung wickelte sich das Mädel fest in das warme Tuch ein.

Die Lichter auf den Bergen und im Tal waren nun verglommen, und auch das Feuerl des Florl war nur mehr ein schwach leuchtender Punkt, gleich einem verblassenden Stern.

Was der Florl wohl dazu sagen würde, wenn das Regele verschwunden war? Denn nun stand es in der Einsamkeit dieser Stunde bei dem Mädel fest, daß sie nicht mehr nach Hause zurückkehren würde. Sie wollte und konnte sich nicht aus dem Leben schaffen, aber sie wollte sich auch nicht der Schande preisgeben.

Allmählich hatte das Regele ihren atemlosen Lauf eingedämmt und ging jetzt, ruhiger geworden, fast langsam die mondbeleuchteten Bergwiesen hinan, dem Dörfl zu.

Wohin sie jetzt wohl ihre Schritte lenken sollte? Zu dem Florl flüchten in ihrer Not?

Das hätte wenig Zweck gehabt. Der Florl konnte ihr ja nicht helfen und sie nicht schützen. Wenn er auch immer wieder versichert hatte: »I verlass' di nit, Madel. Ganz g'wiß nit. Und wie i 's Geld beinander hab', heirat' i di ...«

Jetzt konnte er sie ja nicht heiraten. Und bis er das Geld dazu aufbringen würde, bis dahin konnten sie beide alte Leute werden.