Die weißen Mauern der Häuser leuchteten auf, vom Sonnenglanz getroffen. Ein grüner Kirchturm wies, gleich einem spitzen Finger, gegen Himmel, und das kleine, goldene Kreuz des Turmes funkelte wie ein goldener Tautropfen.

Der schmale Gebirgsbach durchschlängelte wie ein smaragdenes Band in anmutigen Windungen das Tal. Die samtbraunen Holzhäuser, die weich in Wiesen eingebettet, einzeln und in Gruppen bis hoch hinauf die Berge zierten, ließen ihre winzigen Fensterchen im Sonnenglanze gleich Diamanten auf dunklem Grunde schimmern.

Ein ernster, düsterer Berg mit breitem Rücken schloß das Tal beinahe hermetisch von der Außenwelt ab. Zackige Bergspitzen bauten sich im Süden auf und lugten neugierig über die Höhe des kleinen Hochtales, das Veit Galler mit weit ausholenden Schritten jetzt durchwanderte.

Ein regelrechtes Bergtal war es, mit schmalem Pfad und einem winzigen Bächlein. Einige Bauernhöfe, alt, verwittert und aus Holz gebaut, lagen verstreut umher. Abgesondert voneinander und nur durch einen schmalen Fußsteig miteinander verbunden.

An einem dieser kleinen Holzhäuser mußte Veit Galler vorbeigehen. Das lag zu tiefst im Tal und hatte einige Meter ebenen Bodens vor sich.

Ein paar Bretter querten das Bächlein, das im eiligen Lauf von dem jäh ansteigenden Berg herablief. Eine hohe Felswand, zerklüftet und zum Teil mit niederem Strauchwerk bewachsen, stand wie ein drohender Wächter über diesen Ansiedelungen der Menschen.

Der Schnee zeichnete scharf und kantig die Risse des grauen Felsens, und wie ein weiches, duftiges Schleierband fiel das Bächlein silberfarbig über die hohe Felswand. Grub sich dann eiligst in die Bergmatten, floß, geschäftig murmelnd, in rasendem Lauf bis herab zu dem Holzhaus in der kleinen Ebene und trennte das Haus von dem gleichfalls aus Holz gebauten Stadel.

Das Haus stand niedrig, wie erdrückt von der Größe seiner Umwelt. Es war mehr breit als hoch; denn gleich über dem Erdgeschoß ragte schon das mit Steinen beschwerte Schindeldach herein. Um das Haus, zu dem ein paar holprige Steinstufen hinanführten, lief ebenerdig eine kleine Holzaltane. Ohne Schmuck und Zier und nur von dem tief hereinhängenden Dach schützend gedeckt.

Ein kleiner, blonder Bub, rotwangig und dickköpfig, saß auf der Schwelle des Hauseinganges. Das hübsche Gesicht war ungewaschen, das glatte Haar zerzaust und das Näschen feucht.

Der Bub steckte, als er Veit Galler erblickte, vor Verwunderung über den fremden Mann gleich die ganze Faust in den Mund, glotzte ihn blöde an und wußte nicht recht, sollte er jetzt davonlaufen oder lieber laut zu schreien anfangen.