Wenn nur diese Nacht schon vorüber wäre ...
Das Regele dachte jetzt nicht mehr an ihr Unglück und weshalb sie von daheim weggelaufen war. Dachte nicht an Schlaf und Hunger, der sie quälte, sondern fühlte sich nur namenlos verlassen.
Auf den Steinfließen kniete sie im Säulengang und rang betend ihre Hände.
»Heilige Mutter Maria, hilf mir!«
Und dann ein Schrei, wild und wie in Todesnot.
Dort ... dort drüben ... ganz in ihrer Nähe, hinter einem der unheimlich weiß schimmernden Marmorsteine sah sie es wieder ... das bleiche Gesicht der toten Mena ... und es war, als käme es immer näher heran ... schwebte ihr zu ... näher ... immer näher ... so greifbar nahe, daß das Regele den eisigen Hauch des Grabes zu fühlen glaubte. Das war so unheimlich und schauerlich, daß sie gellend in die Nacht schrie.
»Heilige Muttergottes, hilf!« ...
Am Morgen fand der Mesner, als er das Kirchentor zu öffnen kam, ein blutjunges, fremdes Bauernmädchen besinnungslos im Arkadengang auf.
Man brachte das Regele ins Spital zu den Barmherzigen Schwestern. Wochenlang lag sie schwer krank und im Fieber.
Und gebar einen Buben ...