Mit dem Kinde im Arm ging sie dann, als man sie wieder gesund aus dem Spital entließ, aus der großen Ortschaft fort.

Wußte nicht wohin und kümmerte sich nur wenig darum. Es war ja auch so gleichgültig. Ein herber, scharfer Zug hatte sich um die Winkel des kirschroten Mundes eingegraben, den der Florl so gern geküßt hatte. Das Regele dachte jetzt nicht mehr an den Florl. Sie dachte an nichts und wollte auch an nichts denken.

Hartnäckig hatte sie im Spital ihren Namen verschwiegen und nicht gesagt, wer der Vater ihres Kindes sei. Nichts erzählte sie den Schwestern. Gar nichts. Und wenn sie auch noch so teilnehmend fragten.

Die Schwestern hielten sie für verstockt und ließen sie ziehen. Gaben ihr noch fromme Lehren mit auf den Weg und ermahnten sie, brav zu bleiben.

Das Regele schaute einen Augenblick verwundert auf. Brav! Sie war doch immer brav gewesen. Hatte gebetet und gearbeitet, und das bißchen leichtsinniger Liebe hatte sie hart genug büßen müssen ...

Das Mädel schaute nachdenklich auf das kleine Bündel, das sie im warmen Tuche eingewickelt im Arme trug. Was sie nur mit dem Kinde anfangen sollte! Wo würde sie denn Arbeit finden mit der kleinen Last?

Die Sonne brannte heiß auf die staubige Landstraße. Das Regele fühlte keine Hitze, sie war nur müde und verzagt. Am Rande des Weges setzte sie sich ins Gras und weinte still in sich hinein.

So fand sie Veit Galler, der Krämer, und nahm sich ihrer an.

»Tuifl, Madel, i moan, di kenn i!« sagte er in seiner lauten, polternden Art und fletschte die Raubtierzähne.

Ein freudiges Erkennen kam in das verhärmte Gesicht des Mädels.