Veit Galler aber nahm das kleine, zappelnde Bündel, lud es auf seine Kraxe, auf der er von Innsbruck kommend wieder einmal Waren für das Ladele besorgt hatte, und brachte es der Notburg zu.
Viertes Kapitel
In der kleinen, behaglich ausgestatteten Stube, die an den Kramladen anstieß, saß die Notburg und arbeitete. Einen ganzen Stoß Wäsche hatte sie vor sich auf dem Tisch aufgestapelt, und neben ihrem Sitz auf der Holzbank, die rings um die getäfelten Wände lief, lag noch ein ansehnlicher Pack zum Ausbessern. Socken und Unterhosen und weiße und farbige Hemden lagen da hübsch säuberlich gewaschen und geordnet zur Flickarbeit hergerichtet.
Recht zerlumpt war er eigentlich wieder heimgekommen, der Veit. So viel Wäsche und Zeug er auch mitgebracht hatte, überall fehlte etwas.
Zwei große Holzkoffer hatte der Bote, der einmal in jeder Woche seinen mit Blachen überspannten Wagen hinaus ins Inntal fuhr, für den Veit Galler mitgebracht. Bis zu dem stattlichen Dorf, dem Hauptort des Tales, lieferte der Bote das Gepäck. Von dort aus mußte es abgeholt werden; und da die beiden Koffer zum Aufladen für einen Maulesel viel zu unbequem und schwer gewesen wären, mußte sich der Veit einen Leiterwagen und ein Pferd ausborgen und sein Gepäck selber ins Dörfl hinaufbringen.
Das gab ein Geschau, als der Kramer Veit mit den großen, dunkel angestrichenen Holzkoffern angerückt kam. Und ein neugieriges Fragen von allen Seiten war es, was für schönes, wertvolles Zeug denn wohl in dem Gepäck verborgen sein würde.
»Mei ...« machte die Notburg und hob die Achseln gleichgültig. »Halt aa grad' Wäsch' und a bissel a G'wand. Muß halt erst z'sammg'flickt werden, weil's aa grad' umadum z'rissen ist.«
»Freilich! Freilich!« pflichtete ihr die Fragerin, eine ältere Bäuerin aus dem Nachbarhause, bei. »An oanschichtig's Mannsbild ... woaß man wohl! Hat aa koan Mensch nit, der ihm eppas antat'! Wirst eppar gar nimmer fertig werd'n mit der Arbeit, bis er wieder fort geht, der Veit, ha?« fragte sie mit lauerndem Blick.
»Ah wohl. I dermach's leicht no!« erwiderte die Notburg kurz und schroff.
»Freilich! Freilich! Derweil hast aa leicht. Woaß man wohl!« stimmte die Nachbarin eifrig zu.