Sie hätte gar zu gerne etwas von dem Inhalt der beiden Koffer gesehen und war herüber gekommen, der Notburg ihre Hilfe beim Auspacken anzubieten. Die Notburg aber ließ die Koffer inmitten der kleinen Wohnstube stehen, wie sie waren, und klappte nur noch rasch die Deckel zu, ehe sie sich gegen die Besucherin wandte.
Die blieb unter der Türe stehen und getraute sich nicht weiter hereinzukommen und auch nicht mehr weiter zu fragen. Die Notburg machte ein so entschiedenes, abweisendes Gesicht und war so gar nicht zugänglich für kleine nachbarliche Vertraulichkeiten.
Wenn man's so recht betrachtete, war der Veit gerade auch nicht zu neiden mit seinem mürrischen Weib, dachte die Bäuerin bei sich. Dann kehrte sie wieder langsam in ihr eigenes Haus zurück und sah von dort aus noch eine Weile neugierig durch das kleine Gitterfenster hinüber zum Kramer.
Geschah der Notburg eigentlich doch ganz recht, der Z'widerwurzen, wenn ihr der Mann bald wieder durchging. Es war kein freundlicher Blick, den die Nachbarin hinüber warf zur Notburg, deren Gestalt für einen Augenblick am Hauseingang zu sehen war.
Das glaubte einmal kein Mensch der Notburg, daß der Veit weiter nichts als Wäsche und Kleider in den Koffern hatte! War ein recht ungut's Ding, die Notburg! Hätte doch auch ein bissl was reden und deuten können, was in den beiden Koffern steckte!
Gar nicht mehr loskommen konnte die Nachbarin von den Koffern. So geheimnisvoll und fremdländisch wie die aussahen! Und sollten ordentlich schwer gewesen sein. »Völlig nit zum derlupfen ...« erzählten die beiden Burschen, die dem Kramer Veit beim Abladen der Koffer behilflich gewesen waren.
Und der Veit hatte gar so viel lustig und selbstzufrieden dreingeschaut. War in Hemdärmeln vor der Türe gestanden und hatte grad' kommandiert. Und aus vollem Halse gelacht hatte er, weil ihm der eine Koffer beinahe aus den Händen gerutscht war.
Die Leute munkelten im Dörfl, daß dieser Koffer bestimmt voll Gold gewesen war; denn ein paar Weiber, die beim Abladen ganz in der Nähe gestanden waren, hätten darauf schwören können, daß sie deutlich etwas darin hatten herumrollen hören, das wie Gold geklungen habe.
Die Notburg hätte es weiter auch nicht nötig gehabt, so g'sparig zu tun und den ganzen lieben langen Tag über ihrer Flickerei zu hocken. Natürlich! Von reichen Leuten konnte man sparen lernen, und geizig waren sie beide ganz gleich, die Notburg und der Veit.
Kaum daß sich der Kramer etliche Wochen daheim ausgerastet hatte, war er schon wieder auf und davon gegangen. Hatte seine Kraxen auf die Schulter genommen und war damit nach Innsbruck hinauf gewandert. Ganz wie in früheren Jahren, da er noch kein so wohlhabender Mann gewesen war.