Nur war die Kraxe, die er aus dem Tal hinaustrug, diesmal leer gewesen und nicht mit Käselaiben schwer beladen wie in früheren Zeiten, so daß man oft vor lauter Gewicht den Kopf des Trägers kaum mehr sehen konnte. Ein bißchen bequemer und leichter hatte sich's der Kramer Veit also doch jetzt eingerichtet.
Die Leute im Dörfl sahen und belauerten ganz genau, was bei dem Kramer vorging. Und die Notburg hatte jetzt oft auch an Werktagen einen ganz regen Geschäftsverkehr im Ladele. An den Sonntagen aber, gleich nach der Frühmesse, da gab's im Ladele jetzt Hochbetrieb. Aus den Berghöfen der Nachbartäler kamen die Bauern und kauften ein. Sie mußten sich doch mit eigenen Augen überzeugen, wie der Kramer Veit eigentlich jetzt ausschaute, und was er zu erzählen wußte.
Die Weiber kamen ins Ladele, kauften ein paar Kleinigkeiten und fingen an, der Notburg ausführlich über ihr eigenes Leben und Treiben zu berichten. Dabei spähten sie neugierig durch die Türe, die ins Innere des Häuschens führte, ob sie den Veit nicht doch zu sehen kriegten. Und wenn er sich nicht zeigte, dann fragten sie nach ihm. Wenn sie schon einmal da herinnen waren, dann wollten sie ihn wenigstens auch zu Gesicht kriegen.
Es war sonderbar, wie rasch die Kunde von der Heimkehr des Kramer Veit nach überallhin gedrungen war. Eine Neuigkeit benötigt weder Post noch andere Verbindungsmittel. Sie fliegt förmlich durch die Luft, eilt von Mund zu Mund bis in die entlegensten Berghöfe. In der Einsamkeit sind die Menschen hungrig nach Ereignissen. Es berichtet der eine dem andern ungefragt, was er gehört hat und was sich im Umkreis ereignet hat.
Auch die Männer kamen an den Sonntagen nach der Frühmesse ins Ladele. Standen mit ihren steifen, ungelenken Beinen breitspurig herum, entzündeten sich umständlich ihre Pfeifen oder klopften die Asche heraus und redeten dabei auf ihre Weise mit dem Kramer Veit. Sie sprachen mit ihm ganz wie in früheren Zeiten, als ob er nie von ihnen fortgewesen wäre, und sie lobten ihn untereinander, weil er sich immer gleich geblieben war, gar nicht stolz geworden war und Anteil nahm an ihren Interessen ganz so wie in früheren Jahren.
Auch die Weiber sprachen sich leicht mit dem Veit. Viel leichter wie mit der Notburg, der man ja jedes Wörtl förmlich aus dem Mund herausziehen mußte.
Das war beim Veit anders. Der erzählte ihnen frisch und lustig, was sie wissen wollten, und lachte mit ihnen ... laut und polternd, daß es eine Freude war, ihn anzusehen.
Das gab oft einen Spektakel ab im Ladele! Die Notburg war an den vielen Lärm gar nicht mehr gewöhnt und bekam einen ganz wirbligen Kopf davon. Denn all die Jahre her, wo sie einsam hier gehaust hatte, war der Geschäftsbetrieb nur flau gewesen. Auch an Sonntagen. Da kamen wohl auch die Bäurinnen, aber sie hielten sich nicht lange auf im Ladele. Denn ratschen und sich miteinander unterhalten, das konnte man am Dorfplatz draußen weit besser, als in dem engen Raum drinnen.
Jetzt aber, da der Veit hier war, jetzt war's völlig unterhaltsam da drinnen. Der erzählte mit seiner lauten, polternden Stimme, und die Weiber brauchten sich keinen Zwang anzutun, um ihre Stimmen einzudämmen, sondern konnten auch mitreden, wie ihnen der Schnabel gewachsen war.
Reden aber, besonders wenn es recht freundlich klingen soll, bedeutet bei den Bergbauern, daß sie sich gegenseitig mit der ganzen Kraft, deren ihre Lungen fähig sind, anschreien. Das Schreien, das sind sie so gewohnt und merken es gar nicht. Würden es auch arg verübeln, wenn man sie darauf aufmerksam machte.