Mit dem Dienstherrn des Florl hatte der Kramer Veit dann noch eine langwierige Auseinandersetzung. Er begriff nicht gleich, der Bauer, weshalb er so mir nichts dir nichts seinen Knecht außerhalb der üblichen Zeit sollte ziehen lassen. Schließlich gab er aber doch nach, weil der Kramer unermüdlich und in einemfort auf ihn einredete.
»Muaß halt an andern stellen, der Florl!« meinte der Bauer. »Aft mag er von mir aus schon giahn, der Hallodri! Hab' ihn sonst nit ungern g'habt. Hat aufs Viech aufpaßt und koan Arbeit nit g'scheucht. Hat aa eppas vom Kasen verstanden, der Florl!« lobte er den Burschen. »Hatt' ihm nia nit aufg'sagt, dem Buab'n ...« fügte er bedauernd hinzu und klopfte sich umständlich die Pfeife aus. »Nia nit aufg'sagt hatt' i ihm!« versicherte er nochmals eindringlich ...
»Also ... dös hätt'n wir glücklich bei'nander!« meinte der Kramer Veit zum Florl, als sich nun auch ein Ersatz für ihn gefunden hatte. »Jatz war'n wir so weit, und 's Madel braucht nimmer lang zu rear'n draußen, weil's so viel derweillang hat und ihr's gar so schiach dunkt im Tal unten!« sagte er breit und polternd. »Aber, mei' Florl ...« meinte der Veit dann in komischer Verzweiflung ... »was fang' i grad' mit enk zwoa an! Können tut's ja hinten und vorn nix als wia Lieder singen und a bissl Zither und Guitarr'g'spiel?«
»Sell aa!« meinte der Florl seelenruhig. »Und Heumachen und Misttragen und Kuhmelken und an Kas machen ...« zählte der Florl seine Fähigkeiten an den Fingern ab. »Ist dös weiter nix'n?« frug er lustig.
»Naa!« sagte der Kramer, sehr ernst werdend. »Dös ist nix. Kannst nit brauchen in die großen Städt' ... woaßt wohl! Aber enker Singerei und enker G'spiel, dös kann enk vielleicht a Geld einbringen, moanet i!«
Da riß der Florl vor lauter Verwunderung seine beiden Augen auf, so weit es nur anging. Und wußte nicht, ob bei dem Kramer Veit nicht doch am Ende ein Radl im Oberstübchen locker geworden sei.
»Dös Singen?« frug er, und nicht nur die Augen, sondern auch der Mund stand ihm jetzt sperrangelweit offen.
»Ja!« sagte der Kramer ernsthaft. »Dö Singerei. Habt's ja beide koane unebene Stimmen nit und könnt's wohl aa alle G'sanglen und Jodler, wie sie da herin bei uns der Brauch sein. Da könnt' völlig a bissel a Geld außer schau'n bei der Sach' ...« sagte er nachdenklich und gedehnt.
Und dann erzählte der Kramer Veit dem Florl, wie er in Amerika drüben oft vom Heimweh geplagt worden sei. »Woaßt ... und grad' wenn i so auf die Nacht unter dö ganz fremden Leut' in an Gasthaus g'hockt bin und dö so g'racht und g'soffen haben und manchmal aa in dera fremden Sprach' zu singen ang'hebt haben ... woaßt, Florl ... da ist mir grad' g'wesen, als müsset i aufspringen und ihnen mit der Hand 's Maul zuheben, damit sie nimmer singen können. Weil's alle mitanand koa anständige Stimm' g'habt hab'n und aa koan ordentlich's Liedl nit haben singen können. Und amal sein wir bei an Haar raufet worden. I und no a paar sölle Löder. Hab'n grad' g'sungen und schiach tan, bis i's nimmer ausg'halten hab' und g'sagt hab', sie soll'n 's Maul halten. Mei Lieber ... dös hattest sechen sollen, wie die aufbegehrt haben! I soll's besser machen, hab'n sie g'schrien ... wann i's könn', und sie wöll'n mir in Schädel einhau'n ... hab'n 's g'moant. I hab' mi weiter nit g'fürchtet vor'n Schädel einhau'n!« Der Kramer Veit fletschte die Zähne und reckte seine mächtigen Glieder. »Dö hatt'n schon Augen g'macht, bald sie mi angriffen hatten! Haben's aber nit tan. Sein viel zu viel b'soffen g'wesen dazu. Aber oans g'sungen hab' i ihnen. A Lied mit an Jodler drauf! Tuifel ... hab'n dir die Augen herg'macht! Nimmer auslassen haben's mi und mir grad' oa Glasl Wein und oa Glasl Schnaps ums andere eingeschenkt. Und alleweil hab' i wieder no oans singen müssen. Weil's ihnen grad' so viel gut g'fallen hat. Und nix hab' i zu zahlen brauchen denselbigen Abend. Der Wirt ist kommen und hat mi eing'laden, i soll ja fein g'wiß wieder kommen und aa eppas singen. Ja mei ...« Der Kramer Veit hielt mit seiner Erzählung inne und stieß kräftig seinen Stock in den steinigen Erdboden. »Wenn i dir sag' ... völlig a G'schäft hab' i dir mit der Zeit mit meiner Singerei g'macht. I hab's bald heraußen g'habt, daß sich dös umanand g'red't hat, und daß, bald i mit singen ang'hebt hab' ... die ganze Wirtsstuben voll Leut' g'wesen ist. Da bin i zum Wirt gangen und hab' g'sagt, daß i nix mehr singen tua, außer er zahlt mi dafür.« Der Veit grinste breit und schlau. »Ist weiter koa Arbeit nit g'wesen für mi ... dös glaubt's mir wohl. Hab's gern tan ... wenn i aa nit grad' an extra gute Stimm' g'habt hab' ... aber verdient hab' i ganz anständig dermit. Dös Jodeln hab'n 's halt gar so viel gern g'hört, dö Löder, dö ausländischen.«
Still und beinahe andächtig horchend war der Florl dagesessen und hatte den Kramer Veit mit keinem Worte unterbrochen. Die beiden saßen wieder auf der Steinplatte und hatten den murmelnden Brunnen zwischen sich.