Leise und gleichmäßig sprudelte das Wasser aus der Röhre und plätscherte dann als fröhlicher Bach über die Bergmahd ins Tal hinab. Abseits grasten die Kühe, und etliche lagerten im Gras und kauten blöde und bedächtig ihre Mahlzeit wieder.

Die Melcher von den Nachbarasten gingen ihrer Beschäftigung nach. Lautlos war der Gang der nackten Sohlen, deren Haut schmutzig war und kräftig und gelb wie gegerbtes Leder. Sie bekümmerten sich nicht viel um den Kramer Veit, der jetzt schon öfters heraufgekommen war, den Florl aufzusuchen. Und was die beiden gar so eifrig zu diskurieren wußten, das würden sie schon noch bald genug erfahren ...

Die Perlmoser Vef lachte aus vollem Halse, als man die Sache eines Abends beim »hoangarten« besprach. Jetzt war's ja aufgekommen, weshalb der Kramer Veit zum Florl aufs Alpl gekommen war. Der Florl sollte mit ihm gehen, das Regele heiraten und im Amerikanischen drenten Tiroler Lieder singen. Völlig nimmer halten konnte sich die Vef vor lauter Lachen!

Sie saßen wie immer alle versammelt, die Leute von den fünf Asten, und warteten im Abenddämmer auf die Dunkelheit der Nacht. Alle kamen sie herüber zu den Perlmoserischen und saßen dort auf der langen rohgehobelten Bank vor der Türe. Ein ungewöhnlich dickes Brett war diese Bank, über ein paar große Steine gelegt und knapp neben der Eingangstüre, die nieder und rußgeschwärzt in die Küche führte.

Ein kleines Holzgitter schloß die Küche ab, und auf der andern Seite der Türe war eine runde Öffnung in den Holzbalken der Wand angebracht. Da floß, von dem Innern der Küche hergeleitet, Trank für die Schweine in den Trog, der an der andern Seite neben der Türe stand.

Lieblicher Geruch von saurer Milch und Schweineduft durchtränkte hier die Luft. Grunzend umstanden feiste Mutterschweine den Trog, so gierig nach Futter, daß sie nicht nur den Rüssel, sondern auch die Vorderpfoten hineinsteckten. Ängstlich quieckten die Jungen nebenher und schrien, wenn ein ungeschickter Tritt der Mutter sie traf. Dann ringelten sie die Schweifchen und rannten im Kreislauf und quietschend davon. Und Schlamm und Kot bedeckte den etwas sumpfigen Erdboden vor der Aste.

Auf Holzpfosten gebaut, stand die Hütte da. Wie ein Tier, das seiner Hinterfüße beraubt ist, stand sie da und spreizte plump und ungeschickt die Beine. Lehnte sich mit dem Schindeldach, das mit großen Steinen beschwert war, an die Bergmahd, und große Felsblöcke, welche die Form von spitzigen Bergen hatten, lagen im Gras und drohten die kleine Almhütte einzudrücken. Von vorn aus gesehen, standen diese Almhütten förmlich in der Luft. Wenn man sich etwas bückte, dann konnte man ganz bequem darunter herumgehen.

Es war eine recht kleine Hütte, die Aste von den Perlmoserischen. Gleich über dem Erdgeschoß hing das Dach herunter, und eng und nieder war die rauchgeschwärzte Küche mit dem offenen Herd. Ein viereckiger Tisch stand in einer Ecke, und zwei winzige Fensterchen, die nicht größer waren wie Taschentücher, ließen einen Blick tun hinüber in die Alpenwelt der Hochtäler.

Von der Küche führte eine Tür, die nur schlecht in den Angeln saß, in einen ganz engen Raum. Ein Verschlag war es und hatte nur eine einzige Fensteröffnung. Da schliefen die drei Perlmosermädeln, und da hatte auch das Regele geschlafen, wenn sie mit am Alpl war.

Sie schliefen auf Strohsäcken und ohne Bettstatt. Kein Federbett war vorhanden, nur ein buntüberzogener Polster und eine grobe Decke. Aber sie verlangten sich gar nicht mehr, die Dirndln, und es kam ihnen vor, als könne man in Gottes weiter Welt nirgends einen so köstlichen Schlaf haben wie hier oben am Alpl ...