»Tut's enk fürchten vor mir?« frug Veit Galler gutmütig und neigte sich tief zu den drei Kindern, die wie Schafe eng aneinander gedrückt dastanden und ihn mit neugieriger Scheu, jedoch sehr eingehend betrachteten.
»Naa!« schrien sie alle drei zugleich, und flugs eilten sie, eines hinter dem anderen, in das Innere des Hauses zurück.
Nun kam ein junges Mädel zum Vorschein. Blutjung war sie und bildhübsch. Klein und zierlich, mit auffallend blassem Gesicht, dunklem Haar und leuchtenden blauen Augen.
Ein voller kirschroter Mund war wie zur Frage halb geöffnet. Zwei dunkle Zöpfe umrahmten den feinen Kopf, und nur mühsam hielt das schmale, schwarze Samtband die kleinen Löckchen zurück, die sich unter der Haarkrone eigenwillig loslösen wollten und auf die niedere Stirne des Mädels fielen.
Das Mädel war ärmlich, aber sauber gekleidet, trotzdem sie gerade von der Arbeit weggelaufen sein mußte. Die dunkelfarbige Schürze war zum Teil naß. Die Ärmel ihrer dunklen Jacke waren zurückgesteckt, und die bloßen Arme glänzten rot und feucht und waren mit Seifenschaum bedeckt.
»Teufel!« nickte Veit Galler. »Das lass' i mir g'fallen!« Dabei strich er sich mit der Hand über den Schnurrbart und reckte sich zu seiner ganzen stattlichen Größe empor.
Eine tiefe Röte überzog das zarte Gesicht des Mädels unter den bewundernden Blicken des Fremden.
»Sein das deine G'schwister?« Veit Galler deutete mit dem dicken Finger seiner plumpen Hand gegen das Hausinnere, und als das Mädel bejahend nickte, frug er weiter: »Wie hoaßt man's nacher bei enk da?«
»Mei' Vater ist der Söllerbauer!« antwortete das Mädel jetzt mit heller, wohlklingender Stimme.
»Söllerbauer?« wiederholte der Fremde nachdenklich. »Den müsset i döcht aa kennen.«