Die Rosina saß meist schweigend da und beobachtete. Hielt auch nie viel Freundschaft mit ihren Schwestern, war aber gleich diesen eine tüchtige Arbeitskraft.
Ohne seine drei Mädeln hätte sich der Perlmoser recht schwer getan. Sie schufteten wie Knechte, so daß er es jetzt wenigstens etwas leichter hatte und an seiner drückenden Schuldenlast abzahlen konnte. Bis dann die kleineren Buben herangewachsen waren. Dann würde es auch wieder besser gehen ...
So oft die Sprache von der bevorstehenden Abreise des Florl ging, beschlich den Wastl immer ein leises Unbehagen. Er konnte es sich selbst nicht erklären, weshalb. Auch wenn die Vef noch so übermütig darüber spottete und witzelte, sah er ihr doch immer nur mit Angst in die Augen, als traute er ihr nicht so ganz.
Er wußte, daß es um Haus und Hof beim Perlmoser schlecht stand, und daß der Bauer wiederholt schon hatte alles aufbieten müssen, um sein Anwesen vor der Gant zu bewahren. Wäre also gerade kein Wunder gewesen, wenn sich die Vef ins Ausland hätte locken lassen ...
Einmal, da nahm sich der Wastl ein Herz und stellte die Vef zur Rede. Das war, wie die Perlmoser Mädeln oben am Alpl mit der Grummetmahd fertig waren und wieder auf etliche Wochen hinunter mußten auf den Hof.
Die Julie und die Rosina waren schon vorausgegangen. Die Vef aber stand, den plumpen, unförmlichen Korb auf dem Rücken, vor der niedern Hüttentüre und sah recht angelegentlich ins Tal hinab. Das tat sie zum Schein, denn in Wirklichkeit hoffte sie, daß sich der Wastl noch blicken lassen würde, um von ihr Abschied zu nehmen.
Wenn auch die Vef manchmal recht barsch zu dem Burschen war, heimlich hatte sie ihn lieb. Sie ließ es ihn aber nicht merken, daß ihr keiner von allen Burschen so gut gefiel wie gerade der Wastl.
So oft auch einer sich dem Mädchen genähert hatte und mit ihr anbandeln wollte, sie hatte bis jetzt immer einen jeden abfahren lassen. Lachte die Burschen aus auf ihre übermütige Weise und ließ sich mit keinem ein.
Der Wastl wußte es nie so recht, wie er eigentlich mit der Vef daran war. Tat er ihr schön, so gab sie ihm eine schnippische Rede, und wenn er sie dann einige Tage nicht beachtete, dann führte sie geschickt ein Gespräch mit ihm herbei und war fein und gefügig wie ein Lamberl. So daß der Wastl wieder dreister wurde und von Liebe sprach. Holte sich aber dann sofort wieder eine tüchtige Abfuhr von ihr.
»Daß du di grad' nit schamst!« sagte das Mädel dann herrisch. »I sag' dir's do alleweil, was i denk. Oaner, der umadum nix ist und nix hat ... den mag i nit. Und iatz erst recht nit, weil i wieder dös Unglück siech mit'n Regele.«