Ganz resolut war sie nun wieder und so ernst, daß sich der Wastl nimmer getraute, ihr noch ein Bussel zu geben. Da lachte ihn das Mädel mit ihren strahlenden blauen, übermütigen Augen an. Schlang ihren vollen, weichen Arm um seinen Hals und preßte ihren Mund innig und heiß auf den seinen.

»I bin ja so froh, wenn i di kriag ... Wastl ... so froh ...« flüsterte sie.

Und lange ... lange saßen die zwei jungen Menschenkinder im Abenddämmer und hielten sich fest umschlungen. Bis dann die Mondsichel silbern am Firmament stand und weißer Nebeldunst vom Tal herauf zu den Bergen stieg. Da erst trennten sie sich, die Vef und ihr Wastl.

Sechstes Kapitel

War das ein jauchzendes Glück in dem kleinen Berghöfl in der Gungl! Drei Jahre hausten sie nun schon da, der Wastl und die Vef und zwei kleine halbnackte Kinderchen strampelten in der engen Stube, quietschten vergnügt und gaben der Vef alle Hände voll zu tun.

Glückselig lachte die Vef und sang und schmetterte ihre Lieder hinaus in die Alpenwelt. Sie schaffte und arbeitete und küßte dann wieder die kleinen nudeldicken, blonden Buben. Und jeder Tag erschien ihr zu kurz für das große Glück, das sie genoß. So schön war's auf der Welt und so herrlich hier hinten im Tal und in dem engen Hüttl, das ihre Heimat geworden war.

Der Wastl arbeitete wie ein Ackergaul für Weib und Kinder und hatte keinen anderen Gedanken wie sein junges Weib. Und hohe Zeit war es nun wieder, daß das zweite Kindl aus der alten, wurmstichigen Holzwiege kam; denn das dritte hatte schon seine Ankunft angekündigt, und wenn's mit der Verliebtheit dieser beiden jungen Leute so weiter ging, dann konnte das kleine Hüttl bald nicht mehr den reichen Kindersegen fassen.

Sie hatten noch etliche Jahre aufeinander warten müssen, die Vef und der Wastl. Sie seien noch zu jung zum heiraten, hatte die Gemeinde erklärt; denn so junge unerfahrene Menschen läßt man nicht heiraten. Die hausten meistens schlecht, brächten ihr Besitztum herunter und fielen dann der Gemeinde zur Last.

Das konnte man nicht dulden, und deshalb mußte die Liebe der beiden noch ein wenig gebändigt werden. Bis der Wastl mündig geworden war ... dann erst übergab ihm der Göd das Gütl und ging in den Austrag.

Es hatte viel Überreden gebraucht, bis sich der alte Mann dazu verstand. Aber schließlich, alt war er ja genug und auch nimmer ganz fest mit'n G'sund. Der Winter war hart, rauh und lang in der Gungl drinnen, und wenn man da jemand bei sich hatte, der einem ein bissl Arbeit abnahm und auch ein bissl auf einen schaute, so wäre das gerade ja auch nicht zu verachten, dachte er schließlich bei sich. Aber bis so ein Bauer die Herrschaft über sein Reich ... und wenn es auch noch so klein und unansehnlich ist ... aufgibt, braucht's einen gar gewaltigen Entschluß.