Als der Wastl das erste Mal zu dem Göd kam, um ihm sein Anliegen vorzutragen, hatte er nur geringen Erfolg.

Der Göd war ein großer, hagerer Mann. Schier Haut und Knochen war der Alte und gemahnte an einen starken Baum im Hochwald, dessen Mark verdorrt war. Aber die Knochen waren stark und die Adern straff wie Stricke. Sein Gang war steif, denn die Beine wollten sich nicht mehr recht in den Gelenken abbiegen. Der Rücken senkte sich leicht nach vorne, aber der Göd hielt ihn mit aller Kraft aufrecht.

Er ließ sich nicht so leicht unterkriegen von der Last der Jahre, der alte Mann! Eisgrau war der Kopf, schmal und knochig, und eine gewaltige Adlernase ragte kühn aus dem scharfgefurchten, bartlosen Gesicht.

Die kleinen hellen Augen lagen tief in ihren Höhlen, sahen aber scharf wie die Augen eines Adlers. Und mit diesen scharfen Augen schaute der Alte jetzt streng und abweisend auf den Wastl, der bittend zu ihm gekommen war.

»Kannst nit warten, Bua ... bis i hin bin?« frug er mit seiner heiseren Stimme, die davon zeugte, daß der Göd mit 'm G'sund nit ganz richtig war. »Aft kriagst alles. Bist ja mei' Godlkind!« fügte er hinzu.

Der Wastl zog den Kopf ein und schaute gedrückt zu Boden.

»Dös kann aa no zwanz'g Jahr' sein!« meinte er. »Und 's Madl ...«

»Mei! 's Madl!« machte der Alte verächtlich. »'s Madl! Dös heirat' halt derweil an andern.«

»Dös soll sie aber nit!« brach der Wastl leidenschaftlich aus. »Dös derleid' i nit.«

Der Alte im derben, schäbiggrauen Lodenrock mit den plumpen, bodenscheuen Hosen und unförmlichen Holzschuhen, saß eine Weile beobachtend neben dem Burschen auf der Ofenbank der kleinen Stube. Die flache Hand stützte er schwer auf die Bank, weil ihm das Aufrechtsitzen hart ankam. Den grünlich schwarzen, spitzen Filzhut hatte er fast bis über die Augen gerückt, und das rote Halstüchl, das er lose um den dürren, adrigen Hals geschlungen trug, schien ihm auf einmal viel zu eng zu werden. Sein zahnloser Mund mit den farblosen Lippen zitterte leicht und unaufhörlich.